Mutter, Kind und offene Rechnungen

22. Juni 2015, 17:05
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Alleinerziehende sind besonders oft armutsgefährdet – ihre Kinder kommen nur schwer aus der Armut heraus

Die Achtjährige, die auch dieses Jahr keine Geburtstagsparty feiern kann. Der Elfjährige, der nicht mit der Klasse auf Skikurs fahren kann: 23 Prozent der Kinder und Jugendliche in Österreich sind armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Sechs Prozent leben unter dem Mindestlebensstandard, können sich also wichtige Ausgaben nicht leisten.

Wer jünger als 20 Jahre ist, hat ein höheres Armutsrisiko als der Bevölkerungsdurchschnitt. Das ergibt ein EU-weiter Armutsmonitor, der in Österreich von der Statistik Austria erstellt wird.

Schlechte Startchancen

Nicht alle jungen Armutsgefährdeten leiden auch unter akuter Armut, doch ihre Zukunft ist überschattet von schlechteren Ausgangsbedingungen: Wer mit weniger Geld aufwächst, hat eine schlechtere, weil meist kürzere Ausbildung und leidet häufiger unter Gesundheitsproblemen. Die Folge: Viele finden später auch weniger gut bezahlte Jobs.

Besonders gefährdet sind Kinder von Alleinerziehenden. Ein Drittel der Ein-Eltern-Haushalte ist armutsgefährdet – bei einem Kind, das bei zwei Erwachsenen aufwächst, liegt die Quote bei sechs Prozent. Während ein Elternpaar, das mit einem oder zwei Kindern zusammenlebt, deutlich besser ausgestattet ist als Alleinerziehende mit Kind, steigt das Risiko wieder, wenn drei oder mehr Kinder im Haushalt leben.

Dass Österreichs Sozialsystem viele Menschen vor Schlimmerem bewahrt, zeigt sich gut anhand der aktuellen Zahlen: Gäbe es keine Hilfe vom Staat, wären 64 Prozent der Ein-Eltern-Haushalte armutsgefährdet. Dank der Zuschüsse sind es 34 Prozent. Doch auch Sozialleistungen federn nur manches ab: 61 Prozent der Ein-Eltern-Haushalte können unerwartete Ausgaben wie eine Thermenreparatur nicht finanzieren.

Kein Urlaub

Fast jedes vierte Alleinerzieherkind bekommt wichtige zahnärztliche Leistungen nicht, weil das Geld fehlt. Eine Woche Urlaub pro Jahr, und sei es ein Verwandtenbesuch, für den keine Nächtigungskosten anfallen, ist für viele Kinder aus einkommensschwachen Haushalten ein unerfüllbarer Traum. Auch Aktivitäten, die wichtig für das Knüpfen von Freundschaften sind wie Kurse oder Trainingslager bleiben vielen dieser Kinder verwehrt.

Zwei Drittel der Armutsgefährdeten waren auch schon bei der Studie aus dem Jahr 2013 Teil der Risikogruppe, sie schafften es also seither nicht, ihrer misslichen Lage zu entkommen. Die Zahlen bilden die tatsächliche Armut im Lande nur teilweise ab: Personen, die in Notunterkünften oder Heimen wohnen, bleiben unberücksichtigt. (Maria Sterkl, 22.6.2015)

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