OSZE-Ukraine-Sondergesandter Sajdik auf schwieriger Friedensmission

Kopf des Tages22. Juni 2015, 16:42
15 Postings

Österreichischer Spitzendiplomat tritt die Nachfolge der zurückgetretenen Heidi Tagliavini an

Es ist ein undankbarer Job, zwischen den Konfliktparteien in der Ostukraine zu vermitteln. Der österreichische Spitzendiplomat Martin Sajdik will sich der Aufgabe stellen und wird neuer Ukraine-Sondergesandter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Der derzeitige Uno-Botschafter in New York soll der Schweizerin Heidi Tagliavini ab sofort nachfolgen, heißt es.

Erfahrung hat Sajdik schon in jungen Jahren auf beiden Konfliktseiten gemacht: Er studierte unter anderem in Moskau und trat danach in den Dienst des österreichischen Außenministeriums. In den 1970er-Jahren arbeitete er bei der österreichischen Uno-Vertretung in Genf, ab 2007 war Sajdik österreichischer Botschafter in Peking. Damals forderte er mit den Worten "In China geht die Post ab" die Einführung von Chinesisch als Unterrichtssprache in Österreich.

Seit 2012 ist er Ständiger Vertreter Österreichs bei der Uno in New York, wo er auch die Leitung des Wirtschafts- und Sozialrats ECOSOC übernahm. Am meisten wird ihm bei seiner neuen Tätigkeit wohl sein langjähriger Aufenthalt – darunter sieben Jahre an der österreichischen Botschaft – in Moskau helfen: Er spricht neben Deutsch, Englisch, Italienisch und Französisch auch fließend Russisch. Als Autor mehrerer Bücher zum Thema Osteuropa und EU-Erweiterung wird ihm eine besondere Expertise nachgesagt. Mit Verweis auf diese Kompetenzen dürfte das Außenministerium ihn wohl auch bei der OSZE für den Job angepriesen haben.

Der glühende Fußballfan, der im Ältestenrat der Vienna auf der Hohen Warte sitzt, machte sich neben seiner diplomatischen Tätigkeit auch in der Wirtschaft einen Namen: Von 1987 bis 1989 leitete er die Moskauer Repräsentanz des Creditanstalt-Bankvereins, von 1991 bis 1994 war er als Manager im Baukonzern Maculan tätig.

Der vierfache Vater gilt als zurückhaltendes, aber ehrgeiziges Energiebündel. Als Vertreter der Uno wurde er nicht müde, deren Bedeutung zu betonen: "Die Uno macht einen Unterschied, das ist unglaublich wichtig." Die Vereinten Nationen würden sich mit interessanten Themen beschäftigen, "egal wo man hinschaut".

Von seinem Uno-Büro in New York aus genoss er einen Ausblick über die ganze Südhälfte Manhattans, von Queens bis nach New Jersey. Und von dort aus hatte der 66-Jährige eigentlich bereits auf seine Pension geschaut – die wird nun aber noch einige Zeit warten müssen. (Noura Maan, 22.6.2015)

  • Martin Sajdik in seinem Pekinger Büro kurz bevor er auf neuen Posten nach New York ging.
    foto: erling

    Martin Sajdik in seinem Pekinger Büro kurz bevor er auf neuen Posten nach New York ging.

Share if you care.