Neustart im betreuten Übergangswohnen

23. Juni 2015, 05:30
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In Wien-Landstraße eröffnete am Montag ein neues Haus für obdachlose Menschen

Wien – Es ist ein unauffälliger Neubau im dritten Bezirk in Wien. Vor der gläsernen Eingangstüre sind die weißen Postkästen zum Teil noch mit Gaffa-Tape zugeklebt. "Es sind noch nicht alle eingezogen", erklärt Markus Reiter, Geschäftsführer des Sozialvereins Neunerhaus. Bis zum Sommer wird das neueröffnete Haus in der Hagenmüllergasse belegt sein – mit obdachlosen Menschen.

Zwei Konzepte

73 Wohnungen für 79 Frauen und Männer umfasst das Gebäude. Sechs davon für Paare. In einer Zweierwohnung im dritten Stock lebt seit April Peter. Er hat seine Freundin im vergangenen Jahr in einem Ausweichquartier kennengelernt. Mit ihr und ihrem Hund will Peter hier sein neues Leben beginnen. Zwei Jahre hat er für diesen Neustart Zeit. Sozialarbeiter und die 24-Stunden-Wohnassistenz sollen dabei helfen. "Wenn man Hilfe braucht, bekommt man sie, aber sie wird einem nicht aufgezwungen", sagt Peter. Danach sollen die Bewohner der Übergangswohnungen wieder auf eigenen Beinen stehen.

Auf den unteren Ebenen liegt das sozialbetreute Wohnen. 22 Räume, die ohne zeitliche Begrenzung von Wohnungslosen mit Behinderung bezogen werden: das erste gemeinsame Projekt der Obdachlosen- und Behindertenhilfe.

Individuelle Verwinkelung

In allen Wohnungen finden sich ein Bett, eine kleine Küche und ein getrenntes Badezimmer. Über dem dunklen Sofa in Peters Wohnraum hängt eine Rapid-Uhr an der Wand, die Fanschals musste er in den Umzugskartons lassen. Die Lebenspartnerin wollte nicht, dass die ganze Wohnung in Grün-Weiß gestaltet wird.

Auch wenn es für die meisten nur eine vorübergehende Bleibe ist, sollen Räume selbst gestaltet werden: "Alle sollen sich wohlfühlen hier", sagt Reiter. Dies galt schon im Vorgängerhaus, das wegen seiner Baufälligkeit abgerissen werden musste. "Die meisten Bewohner haben ihre Wohnungen in Violett oder Grün gestrichen", erzählt Reiter lächelnd.

Kein "Heimcharakter"

Das neue Haus soll keinen "Heimcharakter" haben. In der Planung waren alle Bewohner miteinbezogen; keine der Wohnungen haben denselben Grundriss. Das zeigt sich auch in der Architektur: Das Gebäude ist im Inneren verwinkelt, und in jedem Stockwerk befinden sich helle und offene Gemeinschaftsräume. Ebenerdig befindet sich eine Cafeteria, wo gemeinsam gekocht werden soll. Die Bewohner kümmern sich eigenständig um die Ausschank. Auf der Terrasse im Innenhof planen sie bereits Grillabende mit den Mitarbeitern.

"Ich bin hier Gast, das Haus gehört den Bewohnern", sagt Reiter. (Oona Kroisleitner, 23.6.2015)

  • In dem verwinkelten Haus ist jeder Wohnungsgrundriss unterschiedlich.
    foto: johanna rauch

    In dem verwinkelten Haus ist jeder Wohnungsgrundriss unterschiedlich.

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