Körperverletzungsprozess: Knoblauchsuppe und zu viele Pornos

23. Juni 2015, 05:30
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Eine 37-Jährige soll ihren Freund mit einem Obstmesser gestochen haben. Ihr Motiv: der Zorn über exzessiven Pornokonsum

Wien – Augustina B. mag keine pornografischen Filme. Genauer: Sie mag es nicht, wenn sich ihr Partner dieser als Masturbationsvorlage bedient. "Die Pornosachen waren immer der Auslöser für die Streits", erzählt die 37-Jährige Richter Roman Palmstingl. Am 29. April endete so eine Auseinandersetzung mit Martin H. blutig: Die Angeklagte rammte dem Opfer ein Obstmesser in den Rücken.

Der Mann erlitt dadurch zwar nur eine kleine Wunde, angeklagt ist die Frau dennoch wegen versuchter absichtlicher schwerer Körperverletzung. Im Prinzip bekennt sie sich unter ständigen Tränen schuldig. Nur: Sie habe ein Blackout, könne sich an die Tat selbst nicht mehr erinnern. Möglicherweise auch, da sie zuvor vier Dosen Bier und eine halbe Flasche Weißwein getrunken hat.

Streit um Sitzpolster

Dass es am Tattag zuvor noch einen Streit mit dem Bruder des Opfers gegeben hat, weiß sie schon noch. Es ging um einen entsorgten Sitzpolster vom Sessel vor dem PC, die Ergebnisse der von den Geschwistern gesuchten digitalen Anregung sollen eine Rolle gespielt haben.

Sie habe geschäumt, während sie in der Küche Knoblauchsuppe und Marillenkuchen vorbereitete. Als ihr Lebensgefährte von der Arbeit kam, sei es dann noch zu einem Streit um sein Handy gekommen – dann reißt der Film. Geklebt ist er erst wieder, als sie bei der Ankunft der Polizei auf dem Fensterbrett stand.

"Aber ich muss zugestochen haben, es waren nur meine Fingerabdrücke auf dem Messer", gibt sie zu. Auch, dass es ihr unendlich leid tue, sie sei normalerweise nicht gewalttätig.

Dem Partner Haare abgeschnitten

"Es gab da aber schon auch im Vorfeld immer wieder Polizeieinsätze", hält ihr Palmstingl vor. "Einmal sollen Sie Ihrem Freund die Haare abgeschnitten haben?" Das stimme, Erklärung gibt sie dafür keine.

Von Interesse ist auch die Frage des Alkoholkonsums. "Normalerweise will ich nichts trinken. Aber ich habe ihm die Pornos mit Alkohol heimgezahlt, weil er das nicht mag."

Opfer Martin H. erzählt die Geschichte ein wenig anders. Seit dem vergangenen Herbst sei die Beziehung immer schwieriger geworden. B. sei zusehends eifersüchtig geworden und habe eine Affäre vermutet. "Sie wollte ständig mein Handy kontrollieren, hat mich im Büro besucht, immer wieder angerufen."

Ob auch die einschlägigen Videos eine Rolle gespielt hätten, fragt der Verteidiger. "Ja, Filme habe ich mir angeschaut, das auch."

Gerangel um Mobiltelefon

Als er am Tattag in seine Wohnung kam, sei die Angeklagte – wie so oft – merklich betrunken gewesen. Ein neuer Streit um das Handy begann, es kam zu einem Gerangel. "Dann habe ich gesagt, dass ich die Wohnung verlasse", erzählt er dem Richter. "Als ich meine Tasche nehmen wollte, hat sie dann zugestochen." An die Details kann auch er sich nicht erinnern, da er geschockt gewesen sei.

Helfen könnte vielleicht der Bruder. "Es tut mir leid, er hat seit Freitag getrunken, da er psychische Probleme und Angst vor dem Gericht hat", bedauert das Opfer. Er kann auch ein Attest aus dem Vorjahr vorlegen, das die Probleme bestätigt.

Zur Wahrheitsfindung würde Palmstingl aber doch gern mit dem Tatzeugen sprechen. Er denkt an, ihn nicht im Gericht, sondern in der Wohnung zu befragen. Da er ohnehin noch ein Ergänzungsgutachten bezüglich der Zurechnungsfähigkeit der Angeklagten haben will, vertagt er auf unbestimmte Zeit. (Michael Möseneder, 23.6.2015)

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