Sommerszene-Festival: Sägen und tanzen

22. Juni 2015, 16:06
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Die aktuelle Ausgabe zeigt Mette Invartsen, Chris Haring und Hubert Lepka. Start ist am Dienstag

Salzburg – Wenn ein Stück Sägewerk heißt, dann klingt das garantiert für viele nach einem Must-see. Es ist Hubert Lepka, der zum Auftakt des Sommerszene-Festivals ein wuchtiges Werk in den Republic-Saal "sägt": jener Salzburger Choreograf also, dessen Werke stets so daherkommen, als wären sie für einen James-Bond-Dreh gemacht. Sein Tun wirkt im Großformat: mit Action, Chor, einem Koloss von Baumstamm plus Videowall.

Das Tanz- und Performancefestival führt über einen lokalen Einstieg in sein gemischtes Programm. In jenem stürzen sich etwa zehn palästinensische Tänzerinnen und Tänzer der flämischen Compagnie Les Ballets C de la B in den levantinisch-arabischen Volkstanz Dabke. Badke heißt ihr Stück, in dem es um den schier endlosen Konflikt zwischen Israel und Palästina geht. Dabei aber nicht um die Darstellung von Desasterpolitik, Krieg und greller Propaganda, sondern um ein Eintauchen in die Gefühle jener, die sich nicht mit den Todesstrategien ritualisierter Feindseligkeit abfinden wollen.

Politisch und sinnlich

Zu den definitiv politischen Arbeiten, die bei der diesjährigen Sommerszene-Ausgabe zu sehen sind, gehören auch Suddenly Everywhere is Black with People von Marcelo Evelin aus Brasilien: eine Choreografie kultureller Differenzen. Eine Tür in die dunklen Labyrinthe des libanesischen Bürgerkriegs öffnet Riding on a Cloud von Rabih Mroué aus Beirut.

Um den fragwürdigen Zustand unserer sexuellen Kultur tanzt die berühmte Dänin Mette Ingvartsen in 69 Positions. Wie alle ihre Arbeiten verspricht auch dieses Stück seinem Publikum eine echte Gratwanderung. Spektakuläre Grenzen lotet Chris Haring in Deep Dish aus, einem Zusammenfluss von Erotik und Dekadenz mit beeindruckenden Live-Videoaufnahmen aus dem Inneren von Früchten des Gartens und der Lüste.

Wer Walk, Hand, Eyes, die Stadtführung – mit geschlossenen Augen – von Myriam Lefkowitz, in Wien erlebt hat, denkt daran als ein Highlight der vergangenen Saison zurück. Jetzt kommt die Pariserin mit dieser One-to-One-Performance auch nach Salzburg. Ebenfalls empfehlenswert: Public Collection von Alexander Pirici und Manuel Pelmus, Rumänien, sowie Michikazu Matsunes Dance, if you want to enter my country.

Von heute bis 4. Juli präsentiert das Festival diesmal explizit politische Kunst – zwischen Körperlichkeit und Krieg, Voyeurismus und Behördenwillkür, Dekadenz und großer Geste, zwischen Österreich, Brasilien, Rumänien, Palästina und dem Libanon. (Helmut Ploebst, 22.6.2015)

  • Myriam Lefkowitz' "Walk, Hand, Eyes" schaut anders auf die Stadt – und heraus.
    foto: pauline hurel

    Myriam Lefkowitz' "Walk, Hand, Eyes" schaut anders auf die Stadt – und heraus.

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