Stankovic: "Hier ist kein Platz für Parteipolitik"

Interview22. Juni 2015, 14:58
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Sturm-Graz-Spieler Marko Stankovic hatte FPÖ-Chef Strache zur Scham aufgefordert und wurde vom medialen Echo überrascht

Wien / Graz – "Schämen Sie sich, Herr Strache, schämen Sie sich", hatte Marko Stankovic, Spieler des SK Sturm Graz am Samstag auf Facebook geschrieben. Anlass zum Unmut gab ein Eintrag des FPÖ-Chefs zur Amokfahrt von Graz, in dem die Herkunft des Täters thematisiert wurde. Am Montag erklärte der rekonvaleszente Stankovic dem STANDARD die Hintergründe.

STANDARD: Haben Sie erwartet, dass Ihr Facebook-Eintrag ein derartiges Echo hervorruft?

Stankovic: Mir war zwar bewusst, dass man als Bundesliga-Spieler stärker wahrgenommen wird. Die Größenordnung hat mich dann aber doch überrascht, ein Echo ungeahnten Ausmaßes.

STANDARD: Würden Sie Ihren Eintrag jetzt anders formulieren oder vielleicht sogar bleiben lassen?

Stankovic: Ich bereue gar nichts. Ich habe niemanden beleidigt, ich wollte nur niveauvoll meine Meinung abgeben. Ich war zu diesem Zeitpunkt emotional sehr ergriffen, die Vorfälle haben mich persönlich getroffen.

STANDARD: Woher kommt der persönliche Bezug?

Stankovic: Meine Frau hat das alles miterleben müssen, wäre es zehn Sekunden früher passiert, hätte es auch sie erwischen können. Wir sind sehr oft in der Herrengasse. Vielleicht habe ich deshalb dünnhäutiger als sonst reagiert.

STANDARD: Gab es auch negatives Feedback?

Stankovic: Die Kommentare in den sozialen Medien lese ich nicht. Ich habe in meinem Umfeld aber sehr viele positive Rückmeldungen bekommen. Und zwar aus jeder Altersschicht. Mir wurde zu den Worten gratuliert.

STANDARD: Macht Sie das ein klein wenig stolz?

Stankovic: Ach was, ich bilde mir überhaupt nichts darauf ein. Es war nicht mein Ziel, den Sonntag damit zu verbringen, Nachrichten über mich zu lesen. Ich bin politisch gar nicht besonders interessiert.

STANDARD: Hatten Sie zuvor ein konkretes Bild von Strache?

Stankovic: Eigentlich nicht. Mir ging es nicht darum, etwas gegen die FPÖ zu sagen.

STANDARD: Strache ist ja nicht zum ersten Mal unangenehm aufgefallen. Was hat Sie in diesem Fall besonders gestört?

Stankovic: Es ist eine Unart, dass man über die Herkunft des Täters spricht, bevor man seine Anteilnahme bekundet. Ich war sehr erbost. Bei so einer Tragödie ist kein Platz für Parteipolitik.

STANDARD: Sportler sollen immer als Vorbilder dienen, sie sollen gegen dies und für jenes sein. Ist das zu viel verlangt?

Stankovic: Es ist positiv, wenn man sich für einen guten Zweck einsetzt. Ich würde es aber von niemandem verlangen, jeder hat mit seinem Leben genug zu tun. Aber Jugendliche sehen zu Sportlern auf, also sollte man zumindest nicht negativ auffallen.

STANDARD: Ihre Eltern sind gebürtige Serben. Hat sich Ihre Familie in Österreich immer wohl gefühlt?

Stankovic: Mit dem Thema Diskriminierung bin ich in Österreich nie in Berührung gekommen. Meine Familie war hier immer willkommen.

STANDARD: Arnautovic, Dragovic, Junuzovic – wo wäre das Nationalteam ohne Spieler mit Migrationshintergrund?

Stankovic: Ich weiß, die Magazine schreiben gerne Geschichten über Spieler mit ausländischem Hintergrund. Aber wozu eigentlich? Ja, unsere Namen enden mit "vic", na und? Wir spielen für Österreich, weil wir alle Österreicher sind. (Philip Bauer, 22.6.2015)

Marko Stankovic (29) wurde in Krems geboren. Er spielte für DSV Leoben, Sturm Graz, US Triestina, Austria Wien und ist nun wieder bei Sturm tätig. Unter Teamchef Karel Brückner wurde er einmal ins Nationalteam einberufen. Derzeit befindet er sich nach einem Kreuzbandriss in Rehabilitation.

  • Stolz? Stankovic: "Ach was, ich bilde mir überhaupt nichts darauf ein."
    foto: apa/scheriau

    Stolz? Stankovic: "Ach was, ich bilde mir überhaupt nichts darauf ein."

  • Via Facebook richtete sich Stankovic an FPÖ-Chef H.C. Strache.

    Via Facebook richtete sich Stankovic an FPÖ-Chef H.C. Strache.

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