Das nahende Ende des Nullzinses

23. Juni 2015, 07:32
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Im September wird die Nullzinsphase in den USA wohl enden, die meisten Marktteilnehmer erwarten zwei Mini-Erhöhungen bis Jahresende

Seit nunmehr 78 Monaten hält die US-Notenbank Fed an ihrer Nullzinspolitik fest, drei weitere dürften noch dazukommen. Ab September wird Fed-Chefin Janet Yellen aller Voraussicht nach den holprigen Weg zurück zur Normalität beschreiten und die Phase geldpolitischer Experimente mit Nullzinsen und drei Anleihenkaufprogrammen hinter sich lassen, mit der die US-Wirtschaft in und nach der Finanzkrise vor dem Absturz bewahrt wurde. Allerdings steht der Notenbank-Chefin mit den ersten Zinsschritten eine ernstzunehmende Nagelprobe bevor.

"Yellens Amtszeit wird daran gemessen werden, wie sie das hinbekommt", meint Monika Rosen-Philipp, Chefanalystin im Private Banking der Bank Austria. Wie die Mehrzahl der Wall-Street-Akteure erwartet auch sie bei der zweitägigen Fed-Sitzung am 16. und 17. September den ersten Zinsschritt nach oben – und zwar vorerst um einen Viertelprozentpunkt.

Im Zweifel weniger als mehr

Auch die Soft Facts passen für Rosen-Philipp gut ins Gesamtbild. Der Septembertermin würde die Möglichkeit bieten, die erwartete Verbesserung der US-Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal sowie die Arbeitsmarktdaten für August abzuwarten. Zudem erwähnt Rosen-Philipp, dass Yellen ihre Teilnahme an der Notenbank-Konferenz Ende August in Jackson Hole abgesagt habe: "Offenbar will sie knapp vor der Zinserhöhung öffentlich nichts mehr sagen. Daher ist sie auf der sicheren Seite, wenn sie gar nicht hinfährt."

Dabei waren Yellens Aussagen auf ihrer Pressekonferenz am Mittwochabend für viele Beobachter sehr zurückhaltend, weshalb die Markterwartungen nun bloß von Zinserhöhungen in Trippelschrittchen ausgehen. "Ich lese zwischen den Zeilen: im Zweifelsfall eher weniger denn mehr", meint Rosen-Philipp. Daher dürfte im Dezember die nächste Mini-Zinserhöhung um 25 Basispunkte anstehen. Auch die Markterwartungen haben sich laut Umfragen auf ein Zinsniveau von rund einem halben Prozent zu Jahresende eingependelt, nachdem diese vor sechs Monaten noch doppelt so hoch gelegen waren.

Holprige Phase

Yellens Zurückhaltung dürfte darauf beruhen, dass Zinswenden nach oben in der Historie holprig an den Finanzmärkten verlaufen sind. Nach fast sieben Jahren Nullzins drohen sogar kleinere Verwerfungen. Für RBI-Analyst Jörg Angele sind die Fed-Prognosen für Wirtschaftswachstum, Arbeitsmarkt und Inflation zu pessimistisch: "Wir rechnen weiter mit zwei Zinsanhebungen in diesem Jahr sowie einem deutlich steileren Leitzinspfad in den nächsten Jahren. Behalten wir recht, sollten die Kurse von US-Staatsanleihen in den nächsten Quartalen unter Druck kommen." (Alexander Hahn, 23.6.2015)

  • Weniger ist mehr, dürfte die Quintessenz der zuletzt sehr zurückhaltenden Aussagen von Fed-Chefin Janet Yellen sein.
    foto: richard drew

    Weniger ist mehr, dürfte die Quintessenz der zuletzt sehr zurückhaltenden Aussagen von Fed-Chefin Janet Yellen sein.

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