Österreichs Unvermögen, den Reichtum zu mehren

24. Juni 2015, 14:00
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Das private Vermögen wächst in Österreich unterdurchschnittlich, da zu viel in Zinsprodukte und zu wenig in Aktien investiert wird

Man muss wohl zu den Betroffenen zählen, um beim Anblick des Buchstabenungetüms UHNWI in Wallung zu geraten. Gemeint sind "ultra high-net-worth individuals", was nichts anderes als superreiche Personen bedeutet. Nach der Definition der Boston Consulting Group muss ein Haushalt zumindest 100 Millionen US-Dollar auf der hohen Kante haben, um dieser finanziell erlauchten Gruppe anzugehören. Erstaunlicherweise hält sich Österreich weltweit noch auf Platz drei, was die Anzahl dieser Superreichen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung betrifft, wie aus dem "Global Wealth Report" des Unternehmensberaters hervorgeht.

"Das ist hauptsächlich ein statistisches Phänomen", erklärt Holger Sachse, Partner der Boston Consulting Group in Wien im STANDARD-Gespräch. Generell seien kleine Länder diesbezüglich bevorzugt, wie das Datenmaterial belegt: Auf jeweils 100.000 österreichische Haushalte kommen zwölf mit dem Prädikat superreich. Mehr sind es nur in den asiatischen Metropolen Hongkong mit 15 und Singapur mit 14, hinter Österreich reihen sich mit der Schweiz und Katar ebenfalls kleine Staaten bei der Dichte der Superreichen ein.

Allerdings erwartet Sachse, dass Österreich nicht nur bei den Superreichen, sondern auch generell in den Vermögensrankings künftig zurückfallen wird: "Denn das Vermögen wächst in Österreich langsamer als im Rest Europas." Im mehrjährigen Mittel beziffert es Sachse für heimische Haushalte mit 2,5 Prozent pro Jahr gegenüber 3,5 Prozent im Europaschnitt. Als Ursache dafür führt er den Anlagenmix an, in Österreich schwanke die Aktienquote zwischen zehn und zwölf Prozent, verglichen mit rund einem Drittel im Rest des Kontinents. "Das bedeutet, dass Österreich von dem Niedrigzinsniveau überproportional betroffen ist", folgert Sachse.

Asiaten im Vormarsch

Weltweit erhöhte sich die Zahl an einfachen Millionärshaushalten im Vorjahr weltweit von 15 auf 17 Millionen. Diese vereinen 41 Prozent des globalen Gesamtvermögens auf sich, bis 2019 soll der Anteil auf 46 Prozent weiter steigen. In den USA befinden sich sieben Millionen Haushalte mit zumindest siebenstelligem Dollarvermögen. Dahinter rangiert China, wo sich die Zahl der Millionenhaushalte 2014 um eine auf vier Millionen erhöhte. Eine weitere Million entfällt auf Japan, was immer noch für Platz drei reicht.

Bei globaler Betrachtung befindet sich die Region Asien/Pazifik (ohne Japan) dank überdurchschnittlichen Vermögenswachstums weiterhin auf der Überholspur. Im Jahr 2014 befanden sich dort insgesamt 47 Billionen Dollar in privaten Händen, was einem Zuwachs von 29 Prozent entspricht. Damit konnte Asien/Pazifik erstmals Westeuropa weltweit auf Platz drei verdrängen, wo das Vermögen im Vorjahr bloß um sieben Prozent auf knapp 40 Billionen Dollar angestiegen ist.

Noch kann sich Nordamerika auf dem Platz an der Sonne behaupten, wo das Privatvermögen um sechs Prozent auf 51 Billionen zulegen konnte. Gemäß der Boston-Consulting-Prognosen soll es im nächsten Jahr zur Wachablöse kommen: Dann wird Asien/Pazifik zur weltweit reichsten Region. Treiber des Vermögenszuwachses war im Vorjahr die gute Entwicklung der Aktien- und Anleihenmärkte, die durch die global lockere Geldpolitik der Notenbanken angeschoben wurden.

Ortega verdrängt Buffett

Bewegung ist zuletzt auch in das Milliardärsranking von Einzelpersonen gekommen. Wie aus dem Bloomberg Billionaires Index hervorgeht, liegt der spanische Modeunternehmer Amancio Ortega mit einem Vermögen von 68,7 Milliarden Dollar erstmals knapp auf Platz zwei vor der Investmentlegende Warren Buffett, der es auf 68,6 Milliarden bringt. Unangefochten reichster Mensch auf Erden ist Microsoft-Gründer Bill Gates mit einem Vermögen von 85 Milliarden Dollar. Knapp hinter den Stockerlplätzen liegt Carlos Slim mit 67 Milliarden, der über seinen Telekomkonzern América Móvil auch die Telekom Austria kontrolliert. Vermögendster Österreicher ist Red-Bull-Mitbegründer Dietrich Mateschitz mit 10,2 Milliarden Dollar, was im globalen Ranking für Platz 128 reicht. (Alexander Hahn, 24.6.2015)

  • Wegen der Niedrigzinsphase wird Österreich beim privaten Reichtum künftig zurückfallen.
    foto: peter m. fisher

    Wegen der Niedrigzinsphase wird Österreich beim privaten Reichtum künftig zurückfallen.

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