"No Man's Sky" vorgestellt: Gewagter Poker mit der Faszination Unendlichkeit

27. Juni 2015, 10:00
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Weltraumerkundungsspiel setzt Besucher nur mit einem vagen Ziel im Weltall aus

Spieler sind Getriebene. In Action-Games muss meist ein bedrohlicher Feind abgewehrt oder die Erde gerettet werden, Survival-Spiele erziehen die Teilnehmer dazu, sich um Ressourcen zu streiten und RPG-Helden betätigen sich als Auftragsnehmer. Ein Konzept, mit dem "No Man's Sky" aufräumen will.

Stattdessen setzt man Spieler in ein riesiges, prozedural generiertes Universum und gewährt ihnen totale Freiheit. Ein Zugang, der einerseits erfrischend ist, aber andererseits auch Risiken birgt.

Beinahe unendliche Weiten

"Fünf Minuten und ich habe einen neuen Planeten entdeckt, ein unschuldiges Einhorn-Echsenwesen erschossen und eine Drohnenflotte der Weltraumpolizei verärgert" – so umschreibt The Verge-Autor Ross Miller seine ersten Erfahrungen mit dem Game. Das kleine reptilienartige Tier starb dabei nicht aus Zufall, sondern fiel schlichtweg der Neugier von Miller zum Opfer. Das ist zwar grausam, zumal es sich nicht um eine feindlich gesinnte Spezies gehandelt hatte, aber Teil jenes Gefühls, das Spieler beider Stange halten soll.

18 Trillionen Welten sollen im "No Man's Sky"-Universum generiert werden können, jede davon soll über einzigartige Landschaften, Flora und Fauna verfügen. Neue Planeten werden zuerst mit einem zufallsgenerierten Namen präsentiert, wer sie zuerst entdeckt darf diese aber ändern und kann auf diese Weise Spuren hinterlassen. Auch Tiere, Pflanzen und Rohstoffe erhalten Namen aus dem Generator. Ist ein Planet einmal entdeckt und erzeugt, kann er auch von anderen Spielern gefunden werden.

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Entdecken, erforschen, zerstören

Einmal gelandet, kann man sich einfach als Entdecker betätigen und forschenderweise umher wandern. Wer mag, kann aber auch auf die Jagd gehen und Ressourcen abbauen. Die Umgebungen sollen vollständig zerstörbar sein.

Doch nicht nur lokale Bewohner setzen sich eventuell zur Wehr, auch die Eingangs erwähnte Weltraumpolizei greift ein, wenn man gegen ihren galaktischen Kodex verstößt. Dieser erlaubt das Sammeln von Rohstoffen und leichtes Terraforming, doch wer Planetenbewohner tötet, arbeitet sich in der Fahndungsliste hoch.

Aufgrund der schieren Größe des virtuellen Alls sollen sich Spieler extrem selten begegnen. Das Konzept von "No Man's Sky" baut auch nicht darauf auf, gemeinsam mit vielen anderen menschlichen Teilnehmern zu interagieren. Stattdessen soll als einziges vages Spielziel die Herausforderung locken, sich immer tiefer in Richtung Zentrum des Universums vorzuarbeiten und neue Planeten und Spezies zu entdecken.

"Star Trek"-Spirit

Dabei soll der Schwierigkeitsgrad mit der zurückgelegten Distanz ins Innere des Weltenhains immer weiter zunehmen, die Welten gefährlicher werden. Man wird Upgrades für das Schiff benötigen, will man bestimmte Areale erreichen. Wie man an diese gelangt – etwa durch Handel oder auf kämpferische Art – bleibt dem jeweiligen Abenteurer überlassen. Das Spiel soll letztlich jene Faszination wecken, die der "Slogan" des Enterprise-Intros verheißt: "Unendliche Weiten" zu erkunden, "fremde Welten" und "unbekannte Lebensformen" zu entdecken.

Doch den Spieler ganz ohne konkreter Zielsetzung im Universum auszusetzen birgt auch Risiken und verlangt, dass die Mechaniken von "No Man's Sky" gut ineinander greifen. Das System, das die Planeten generiert, muss in der Lage sein, eine enorme Vielfalt an Oberflächen, Tieren und Pflanzen zu schaffen. Die Planetenbewohner dürfen sich nicht nur optisch unterscheiden, sondern ebensoviel Abwechslung in ihrem Verhalten aufweisen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sie die neugierigen Weltraumbummler bald sattgesehen haben.

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Wird genug geboten?

Dazu muss es auch viele, sinnvolle Interaktionsmöglichkeiten – sprich: Interaktion und Diplomatie mit fremden Rassen, der Kampf mit Banditen, Crafting et cetera – geben, um auch all jene an der Stange zu halten, denen es nicht reicht, von Planet zu Planet zu fliegen und dort spazieren zu gehen.

Nur damit lassen sich Lücken schließen, die andere Open-World-Games mit Aufträgen und einer Hintergrundgeschichte als rotem Faden kitten können. Spiele wie "Minecraft" verzichten auf diese wiederum, leben dafür aber stark vom Mehrspieleraspekt, der in "No Man's Sky" nur minimal ausgeprägt sein wird.

Top oder Flop

Folglich kann das Spiel, das noch heuer erscheinen dürfte, entweder überzeugen oder wird als Enttäuschung wahrgenommen werden. Die Idee der völligen Handlungsfreiheit erlaubt zwar, vieles zu tun, lässt dabei aber wenig Platz für Mittelmäßigkeit. (gpi, 27.06.2015)

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