Bob Dylan in Wiesen: Traurige Songs, Walzer und andere Überraschungen

23. Juni 2015, 16:12
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Der 74-jährige US-Musiker macht mit seiner "Never Ending Tour" am Freitag Halt im Burgenland

Wiesen – Und wieder einmal ist alles anders. Waren von Konzertabend zu Konzertabend variierende Setlists lange eine Hauptattraktion von Bob Dylans "Never Ending Tour" gewesen, hatte sich der 74-Jährige in den vergangenen zwei Jahren auf ein vergleichsweise statisches Programm eingeschliffen. In den Vordergrund rückten jüngere Songs, alte Klassiker blieben außen vor. Bis vor kurzem.

Das Auftaktkonzert der jüngsten Europa-Etappe am Wochenende im deutschen Mainz brachte zunächst Erwartbares wie den Oscar-prämierten Opener Things Have Changed, gefolgt von weiteren Fixstartern. Tatsächlich änderten sich die Dinge zur Halbzeit, als Dylan mit Full Moon and Empty Arms das Debüt eines mit Frank Sinatra assoziierten Songs vom heuer erschienen Album Shadows in the Night und seinen alten Country-Walzer To Ramona aus dem Hut zauberte. Weitere Überraschungen sollten folgen, die größte davon ein Cover von Willie Nelsons Sad Songs and Waltzes.

Country und Jazz

Der Song seines Country-Kumpels mit der schönen Zeile "sad songs and waltzes aren't selling this year" steht dem heutigen Dylan gut an. Der hat seine vielseitige Begleitband von lange dominierenden Blues-Rock-Shuffles auf Jazz-infizierte Gangarten umgepolt, mit denen er dem melancholischen Balladentum Nelsons ebenso naherücken kann wie dem Western Swing des von Nelson hoch verehrten Bob Wills.

Mit seiner "Cowboy Band" fokussierte Dylan zuletzt wieder stärker auf seine Stimme, die so wenig zerschossen klingt wie schon lange nicht. Nicht zufällig beugt sich der Singer-Songwriter derzeit nicht nur übers Piano, sondern sucht in den intensivsten Konzertmomenten, ganz Crooner, den Weg alleine zum Mikrofon in der Bühnenmitte. Die Gitarre bleibt im Koffer.

Womit Dylan seine langjährigen Begleitmusiker bei seinem Auftritt am Freitag im burgenländischen Wiesen auf den Zehenspitzen hält, wird sich weisen. Es bleibt spannend. (Karl Gedlicka, 23.6.2015)

Bob Dylan & Band, Wiesen, Ottakringer Arena, 26.6., 20.30

  • Gibt statt der Folkie-Pose mit Gitarre derzeit gerne den Crooner – alleine, nur  mit Mikrofon und Mundharmonika in der Bühnenmitte: Bob Dylan.
    foto: reuters/mario anzuoni

    Gibt statt der Folkie-Pose mit Gitarre derzeit gerne den Crooner – alleine, nur mit Mikrofon und Mundharmonika in der Bühnenmitte: Bob Dylan.

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