Ehe für alle: "Alle Menschen sollen Fehler machen dürfen"

22. Juni 2015, 11:40
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100.000 Menschen demonstrierten am Samstag am Samstag für Homosexuellen-Rechte. Beim "Marsch für Familie" kam es zu Festnahmen

Wien – Am Samstag ist die 20. Regenbogenparade über die Wiener Ringstraße gezogen. Laut Organisator Christian Högl, Obmann des Vereins Hosi (Homosexuelle Initiative), nahmen rund 100.000 Menschen teil, um gegen die Diskriminierung Homosexueller zu demonstriere und zu feiern. Die Schlusskundgebung fand am Abend auf dem Rathausplatz statt – bei Sonne, Regen und fast schon kitschig: mit einem Regenbogen am Himmel.

Vassilakou für "Öffnung der Ehe"

Im Rahmen der "Pride Speech", wie die Abschlusskundgebung genannt wurde, forderte Wiens Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) einmal mehr die Öffnung der Ehe: "Wenn Menschen verliebt sind, dann kann es sein, dass sie einen Fehler machen wollen: Sie wollen heiraten. Und ich bin dafür, dass jeder Mensch diesen Fehler machen kann." Dieses Ziel wolle sie nächstes Jahr erreicht haben – woraufhin aus dem Publikum Rufe zu hören waren: "Morgen, morgen, nicht erst nächstes Jahr."

Auch Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) will in dieser Hinsicht nicht lockerlassen: "Wir werden dranbleiben und darum kämpfen." Nationalratsmandatarin und Wiener Spitzenkandidatin Beate Meinl-Reisinger (Neos) kritisierte dabei jene PolitikerInnen, die Ängste schüren würden: "Dagegen treten wir auf. Das ist das Schlimmste, was Österreich passieren kann."

Lunacek: "Sagt's es, traut's euch"

Die grüne EU-Mandatarin Ulrike Lunacek motivierte die ZuhörerInnen, öffentlich zu ihrer Sexualität zu stehen: "Sagt's es, traut's euch. Nehmt's die Kraft und den Mut von heute mit." Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) erinnerte abschließend an den Grund der Veranstaltung: "Es geht darum, sichtbar aufzutreten gegen Homophobie und Transphobie."

Politisch war auch die Parade selbst. Die DemonstrationsteilnehmerInnen hielten ihre Forderungen und Slogans auf Schildern fest. Dabei handelte es sich um Botschaften wie: "Freedom, love", "Umschwulung auf Krankenschein" oder "Ehe für alle, statt Ampeln für alle" – eine Anspielung auf die Wiener Ampelpärchen.

60 Gruppen um den Ring – gegen die Fahrtrichtung

Der Startschuss der 20. Jubiläumsveranstaltung erfolgte mit 50-minütiger Verspätung um 14.50 Uhr auf dem Rathausplatz. "Die Tonabnahme der Anlagen auf den Fahrzeugen durch die Behörde hat länger gedauert", begründete Högl. Gleichzeitig freute er sich über einen neuen TeilnehmerInnenrekord: Rund 60 Gruppen, darunter viele Lkws und anderen bunt geschmückte Fahrzeuge, zogen gegen die Fahrtrichtung um den Ring.

Zeitgleich "Marsch für die Familie"

Nicht weit von der Ringstraße entfernt trafen sich am Nachmittag die GegnerInnen der Regenbogenparade. Laut Polizei verlief der "Marsch für die Familie" am Stephansplatz weitgehend ruhig, wo bis etwa 17.00 Uhr gegen das Recht auf Abtreibung und die Gleichstellung Homosexueller demonstriert wurde.

Im Vorfeld wurde eine Gegendemo der Autonomen Antifa am Stephansplatz von den Behörden verboten. Die von der Sozialistischen Linkspartei organisierte Gegendemo wurde allerdings für den Michaelerplatz genehmigt.

Zahlreiche GegendemonstrantInnen, die Polizei spricht von rund 300, versammelten sich allerdings auf der Route des "Marsches für Familie". Dabei kam es vereinzelt zum Einsatz von Pfefferspray gegen die DemonstrantInnen. Zwei Personen wurden außerdem vorübergehend festgenommen. (APA,red, 22.6.2015)

  • Rundes Jubiläum mit Wolkenbruch und guter Stimmung: die 20. Regenbogenparade am Samstag in Wien.
    foto: apa/herbert p. oczeret

    Rundes Jubiläum mit Wolkenbruch und guter Stimmung: die 20. Regenbogenparade am Samstag in Wien.

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