Initiative: Ärzte und Patienten fordern Krankenkassen-Reform

22. Juni 2015, 10:31
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Ärztekammer-Wien-Vizepräsident Johannes Steinhart: "Vieles deutet in Österreich auf eine Zwei-Klassen-Medizin hin" – Ärztekammer fordert rasche Lösungen

Die im April 2015 gestartete Kampagne der Wiener Ärztekammer "Gesundheit = mehr wert. 'Ja' zur Wende im Krankenkassensystem" stößt auf Widerhall in der Bevölkerung. Bereits mehr als 10.000 Menschen unterstützen die Initiative und sagen "Ja" zur Wende im Krankenkassensystem.

"Wir möchten mit dieser Aktion gemeinsam mit der Kollegenschaft und den Patienten Schwächen im Krankenkassensystem aufdecken und eine Wende einleiten", so der Vizepräsident und Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte der Ärztekammer für Wien, Johannes Steinhart.

Überfüllte Wartezimmer

Lange Wartezeiten auf Termine und überfüllte Wartezimmer seien nur die Spitze des Eisbergs, heiß es von der Initiative. Bereits mehr als 350 betroffene Ärztinnen und Ärzte sowie Patienten haben auf der Kampagnen-Website Erfahrungsberichte gepostet oder diese per Postkarte eingesendet. Daraus wird deutlich, dass die Leidtragenden der Einsparungspolitik der Wiener Gebietskrankenkasse die Patienten sind.

"Viele Einsendungen deuten auf eine bereits bestehende Zwei-Klassen-Medizin hin", erklärt Steinhart. Patienten weichen zunehmend auf den Wahlarztbereich aus, um rascher Termine und eine längere Gesprächszeit mit ihren Ärztinnen und Ärzten zu bekommen.

"Das österreichische Gesundheitssystem wird durch die Sozialversicherungsbeiträge aller Versicherten finanziert", betont Steinhart. Und dieses System scheine immer schlechter zu funktionieren, "denn obwohl viel eingezahlt wird, wird nur sehr wenig ausbezahlt." Immer mehr ärztliche Leistungen würden gedeckelt oder zum Teil gar nicht mehr honoriert.

Weniger Kassenplätze

Steinhart kritisiert zudem, dass die Zahl der Kassenstellen trotz einer stark wachsenden Bevölkerung in Wien in den letzten Jahren sogar zurückgegangen ist. Damit aber werde massiv an der Versorgung gespart.

"Angesichts der zahlreichen kritischen Meldungen aus der Bevölkerung können nun auch die Verantwortlichen in der Wiener Gebietskrankenkasse nicht mehr die Augen vor den Versorgungsproblemen verschließen", so Steinhart. Rasche Lösungen seien gefragt, und die Ärztekammer sei jederzeit bereit, gemeinsam mit der Gebietskrankenkasse "intensiv daran zu arbeiten". (red, 22.6.2015)

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