Morbus Megastau

Kolumne24. Juni 2015, 14:16
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Mit negativen Folgen von Staus zurechtzukommen ist ein von vornherein funktionierendes Geschäftsmodell

Es passiert schon öfter, dass Entwicklungen in technischer oder auch gesellschaftlicher Hinsicht einen Drall bekommen, der uns nicht unbedingt glücklicher macht, zumindest jene nicht, die schon länger auf der Welt sind und einen Vergleich zu früher haben. Zum Beispiel die Automatisierung des Autofahrens. Hier bewegt sich die Gesellschaft in die Falle einer Vielzahl an Geschäftsmodellen, deren Erfolg im Wesentlichen auf das Schreckgespenst des Zeitverlusts im Verkehrsstau aufbaut und auf die Vermeidung von Unfällen infolge der daraus resultierenden Unaufmerksamkeit.

Die globale Situation ist klar: Alle wollen überall Auto fahren. So wird mit steigendem materiellem Wohlstand auch der Verkehrsstau zum gestalterischen Kernthema zukünftiger Mobilitätsmodelle. Verkehrsstaus schon zu vermeiden, bevor sie entstehen, wäre eine Aufgabe, die enorme Intelligenz erforderte, Weitblick, Disziplin, Überzeugungskraft und noch viele weitere positive menschliche Eigenschaften, inklusive politischen Willens und einer Gestaltungskraft ohne Zynismus.

Verprochene Linderung

Mit negativen Folgen von Staus zurechtzukommen ist hingegen ein von vornherein funktionierendes Geschäftsmodell. Man braucht nur Geräte zu bauen, die Linderung versprechen.

Wir haben es also mit einer unheilbaren Krankheit (Morbus Megastau) zu tun und kaufen lebensverlängernde Medizinprodukte. Wir können sie zum Teil schon beim Erwerb des Fahrzeugs ankreuzeln oder oft auch nachträglich einbauen. Sie werden unter dem weiten Begriff Assistenzsysteme geführt. (Rudolf Skarics, 24.06.2015)

  • Assistenzsysteme sind die Heilmittel für den Morbus Megastau.
    foto: apa

    Assistenzsysteme sind die Heilmittel für den Morbus Megastau.

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