Selbstmordattentäter griffen afghanisches Parlament an

22. Juni 2015, 14:30
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Attacke beendet – Abgeordnete sind geflohen – 19 Verletzte

Kabul – Ein Selbstmordattentäter der radikalislamischen Taliban hat das afghanische Parlament im Zentrum der Hauptstadt Kabul angegriffen und die Abgeordneten zur Flucht gezwungen. Anschließend verschanzten sich sechs Kämpfer der Extremisten in einem nahegelegenen Gebäude und lieferten sich ein fast zweistündiges Gefecht mit den Sicherheitskräften. Wie die Polizei am Montag mitteilte, wurden schließlich alle sechs getötet. Bei dem Anschlag wurden den Behörden zufolge zudem mindestens 19 Menschen verletzt.

Ein Polizeisprecher sagte, der Attentäter habe trotz der Kontrollstellen sein mit Sprengstoff beladenes Auto bis zum Tor des Gebäudes gefahren. Unter Parlamentariern kam deswegen Kritik auf. Die für den Geheimdienst und die Sicherheit zuständigen Regierungsstellen hätten versagt, sagte der Politiker Farhad Sediki. Der Polizei zufolge konnten alle Abgeordneten in Sicherheit gebracht werden. Sie hatten gerade über die Ernennung eines neuen Verteidigungsministers beraten.

Extremisten erobern weitern Bezirk

Nach dem Abzug der meisten ausländischen Kampfeinheiten im vergangenen Jahr gibt es Zweifel, ob die afghanische Armee gegen die Extremisten bestehen kann. So eroberten die Taliban in der nordafghanischen Provinz Kundus am Montag einen weiteren Bezirk. Gouverneur Nasruddin Saidi sagte der Nachrichtenagentur Reuters, das Gebiet sei seit Tagen von den Taliban eingekesselt gewesen. Man habe Verstärkung angefordert, aber keine erhalten. Die Kämpfe ereigneten sich nach seinen Worten nur drei Kilometer von seinem Amtssitz entfernt.

In Kundus hatte die Bundeswehr bis 2013 einen wichtigen Stützpunkt. Heute sind deutsche Soldaten nur noch zur Ausbildung und Beratung der afghanischen Armee am Hindukusch. Ihre Zahl ist auf 850 begrenzt. (Reuters, 22.6.2015)

  • Anschlag in der Nähe des afghanischen Parlaments in Kabul.
    foto: reuters/ahmad masood

    Anschlag in der Nähe des afghanischen Parlaments in Kabul.

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