Krieg im Jemen: Ein zu langer Prozess

Kommentar21. Juni 2015, 18:05
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In Riad und Teheran, wo der Schlüssel zur Beruhigung liegt, schaut man zu

Die Informationen über den Krieg im Jemen sind spärlich: Es gibt große Abweichungen zwischen den Angaben über die Zahl der Toten und der betroffenen Zivilbevölkerung – nur dass es Millionen sind – und fast nichts über den militärischen Verlauf. Nach den ergebnislos zu Ende gegangenen Friedensgesprächen unter Uno-Ägide in Genf, die nicht einmal eine kurze humanitäre Waffenruhe hervorbrachten, weiß man jedoch, dass sich keine der beiden Seiten zu einem Kompromiss genötigt fühlt.

Die vom Iran unterstützten schiitischen Huthi-Rebellen und die Fraktion von Expräsident Ali Abdullah Saleh verlangen ein Ende der saudischen Luftangriffe, die von Riad gehaltene exilierte Regierung von Abd Rabbo Mansur Hadi fordert, dass sich die Huthis aus den von ihnen eroberten Gebieten in den Norden zurückziehen. In Genf gelang es nicht einmal, die gegnerischen Parteien an einen Tisch zu bekommen, eine Pressekonferenz endete mit Schuhwerfen und anderen Handgreiflichkeiten.

So bleibt der internationalen Gemeinschaft einmal mehr nichts anderes übrig, als sich mit den Floskeln über den "Beginn eines langen Prozesses" zu trösten, für dessen Verlauf es jedoch keinerlei Fahrplan gibt. Den Fastenmonat Ramadan werden radikale Kräfte nützen, um den ursprünglich rein politischen Konflikt weiter zu konfessionalisieren. In Riad und Teheran, wo der Schlüssel zur Beruhigung liegt, schaut man zu. (Gudrun Harrer, 22.6.2015)

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