Al-Jazeera-Journalist am Flughafen Berlin festgenommen

20. Juni 2015, 22:38
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Mansour soll bei Folter eines Anwaltes während Anti-Mubarak-Protesten 2011 beteiligt gewesen sein

Berlin/Kairo – Der in der arabischen Welt prominente Al-Jazeera-Journalist Ahmed Mansour ist am Samstag am Flughafen Berlin-Tegel festgenommen worden. Die deutsche Polizei bestätigte am Abend, dass ein mit internationalem Haftbefehl gesuchter Journalist aus Ägypten festsetzt wurde, als er am Nachmittag nach Doha fliegen wollte.

Der Sender Al-Jazeera erklärte auf seiner Internetseite, bei dem Mann handle es sich um Mansour. Es seien Anwälte vor Ort. Mansour gehört zu den bekanntesten TV-Journalisten der arabischen Welt. Für seine Interviewsendung "Bi La Hudud" ("Ohne Grenzen") hatte er in dieser Woche in Berlin den deutschen Jihad-Fachmann Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) interviewt.

15 Jahre Haft drohen

Ein Strafgericht in Kairo hatte Mansour im vergangenen Jahr in Abwesenheit zu 15 Jahren Haft verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen, im Frühjahr 2011 während der Proteste gegen den damaligen Langzeitherrscher Hosni Mubarak auf dem Kairoer Tahrir-Platz an der Folter eines Anwalt beteiligt gewesen zu sein. Der Sender wies die Vorwürfe als politisch motiviert zurück. Mansour soll die britische Staatsbürgerschaft haben.

Die deutsche Polizei wollte die Identität des Mannes nicht bestätigen. Nach Angaben eines Sprechers liegt gegen ihn ein Haftbefehl aus Ägypten vor. Es gehe um mehrere, nicht näher genannte Delikte. Inzwischen habe das Bundeskriminalamt den Haftbefehl übermittelt. Er sollte dem Mann noch am Abend eröffnet werden. Die Entscheidung darüber, ob der Haftbefehl aufrechterhalten werde, liege beim Berliner Generalstaatsanwalt, sagte der Sprecher.

Al-Jazeera veröffentlichte im Internet ein kurzes Video, das Mansour am Flughafen Berlin-Tegel zeigt. Darin erklärt der Journalist, alle Vorwürfe seien erfunden und gefälscht. Nach Angaben des Senders wird ihm unter anderem Vergewaltigung und Raub vorgeworfen. Demnach erklärt Mansur, er bedauere es, dass sich Deutschland zum Helfer des ägyptischen Regimes mache. Er werde aber gut behandelt.

Die Regierung in Kairo betrachtet Al-Jazeera mit Sitz in Doha als Unterstützer der in Ägypten mittlerweile verbotenen Muslimbrüder. Der Sender gilt als scharfer Kritiker von Präsident Abdel Fattah al-Sisi. Die ägyptische Armee hatte noch mit ihm an der Spitze vor fast zwei Jahren nach Massenprotesten den ersten frei gewählten Staatschef Mohammed Mursi abgesetzt, der zu den Muslimbrüdern gehört.

Im vergangenen Jahr hatte ein Gericht in Kairo drei Reporter von Al-Jazeera zu sieben Jahren Haft verurteilt, darunter den Australier Peter Greste. Den Männern war vorgeworfen worden, die Muslimbrüder unterstützt zu haben. Mittlerweile sind sie wieder frei. Der Fall wird neu verhandelt. (APA, 20.6.2015)

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