Hamilton schnappt sich die Poleposition

20. Juni 2015, 15:06
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Mercedes-Teamkollege Rosberg in turbulentem Qualifying Zweitschnellster vor Vettel im Ferrari und Massa im Williams

Spielberg – Gerade noch rechtzeitig vor dem Qualifying für den Grand Prix von Österreich (Sonntag, 14 Uhr, Live auf derStandard.at/Sport, ORF 1) verabschiedete sich am Samstag der Regen vom neuerlich eher schwach besuchten Red-Bull-Ring in Spielfeld. Vielleicht 40.000 Fans sahen das erwartete Duell zwischen Mercedes und Ferrari auf flott abtrocknender Strecke.

Allerdings hieß es bald nicht mehr zwei gegen zwei, sondern zwei gegen einen. Denn Kimi Räikkönen, dem Vernehmen nach ohnehin Scuderia-intern schwer umstritten und unter Druck gesetzt, schied gleich bei erster Gelegenheit, mit nur 18. Zeit, aus dem Rennen um die Pole Position aus. "Ich habe mein Bestes gegeben", ließ der 35-Jährige noch aus dem Boliden verlauten. Für Ferraris neuen Teamchef Maurizio Arrivabene dürfte das bald nicht mehr gut genug sein, auch wenn die für Räikkönen ausgearbeitete Trainingstaktik offensichtlich alles andere als optimal war.

7:1 für Hamilton

Es blieb also an Vierfachweltmeister Sebastian Vettel, sich den Saisondominatoren entgegenzustemmen. Doch die Befürchtungen des Deutschen, Mercedes werde gegenüber den freien Trainings zulegen, bewahrheiteten sich. Dem 27-Jährigen fehlten schließlich 0,355 Sekunden auf seine 46. Trainingsbestzeit, die erste in dieser Saison. Hamilton sicherte sich Pole Position Nummer 45, stellte im Saisonduell mit Österreich-Vorjahressieger Nico Rosberg (+0,200) auf 7:1. "Es war eine ziemlich schwierige Qualifying-Session, aber ich hatte das Selbstvertrauen, diese eine schnelle Runde zu schaffen", sagte der 30-jährige Weltmeister, der im aktuellen Championat 17 Zähler vor Rosberg liegt.

Die teaminternen Kontrahenten zauberten ihren Chefs in der Box, Toto Wolff und Niki Lauda, dann noch ein zusätzliches, aber eher gequältes Lächeln in die Gesichter, drehten sie sich doch in ihrer jeweils letzten Runde von der Strecke, erst Hamilton, dann Rosberg, und mussten per pedes an die Box zurück. Rosberg hatte vor seinem Ausritt Hamiltons Zeit vor den Augen, "das ist natürlich frustrierend". Die Ferraris wären knapp dran, sagte der Vizeweltmeister. "Vielleicht kann ich die zwei morgen ärgern", sagte Vettel, dem der Abstand aber ein wenig zu deutlich war.

Das erwartete Desaster traf die Gastgeber von Red Bull Racing. Daniil Kwjat und Daniel Ricciardo starten nach ihren Rückversetzungen um jeweils zehn Startplätze wegen des Einsatzes einer jeweils fünften Motorenkomponente in diesem Jahr von den Plätzen 15 bzw. 18. Ricciardo muss zudem im Rennen eine Fünf-Sekunden-Strafe absitzen. Red Bull droht also der erste punktelose Grand Prix seit Australien 2014.

Rückreihungskuriositäten

Unter besonderen Voraussetzungen bestritt McLaren-Honda das Qualifying. Doppelweltmeister Fernando Alonso war schon am Freitag für den Tausch gleich mehrerer Motorkomponenten über die erlaubte Saisonanzahl von vier Stück hinaus mit einer Rückversetzung von 20 Startplätzen bestraft worden. Am Samstagvormittag gab nach nur wenigen Runden auch noch sein Getriebe den Geist auf, Alonso kassierte weitere fünf Strafplätze.

Kollege Jenson Button wurde am Samstag nach dem dritten freien Training wegen Motorrunderneuerung gleich mit minus 25 Startplätzen belegt. Weil der spanische Doppelweltmeister Alonso nur auf die 15. Rundenzeit kam, also nicht den vollen Platzverlust kompensieren konnte, wird er nach dem Start aus der letzten Reihe noch mit einer Durchfahrtsstrafe belegt, gleiches gilt für den englischen Einfachweltmeister, den Trainings-17.

Kommen die McLaren überhaupt über die Distanz, werden sie wegen der Kürze des Kurses in Spielfeld den Großteil der Konkurrenz gleich mehrfach nachwinken können. Alonso erwartete jedenfalls eines seiner "schlechtesten Rennen, zumindest was das Ergebnis angeht". Bei allem Grimm über den bisherigen und den zu erwartenden weiteren Saisonverlauf denkt der 33-Jährige aber nicht an Aufgabe: "Ich habe kein Problem damit, jedes einzelne Rennen aus der Boxengasse zu starten, wenn wir dafür das Auto weiterentwickeln." McLaren denkt schon an 2016. (Sigi Lützow, 20.6.2015)

  • Lewis Hamilton auf dem Weg zur siebenten von acht Polepositions in dieser Saison.
    foto: reuters/leonhard foeger

    Lewis Hamilton auf dem Weg zur siebenten von acht Polepositions in dieser Saison.

  • Hamilton (li) und Rosberg. Man versteht sich blendend.
    foto: epa/valdrin xhemaj

    Hamilton (li) und Rosberg. Man versteht sich blendend.

  • Pech für Rosberg, er kratzte die letzte Kurve nicht.
    foto: apa/techt

    Pech für Rosberg, er kratzte die letzte Kurve nicht.

  • Neun Weltmeistertitel: Alain Prost (4), Nelson Piquet (2) und Niki Lauda (3). Noch einmal fuhren sie ihre Boliden aus, eine Ansichtssache.
    foto: apa/techt

    Neun Weltmeistertitel: Alain Prost (4), Nelson Piquet (2) und Niki Lauda (3). Noch einmal fuhren sie ihre Boliden aus, eine Ansichtssache.

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