Telekom-Kapitän Ametsreiter setzt Kurs auf Deutschland

19. Juni 2015, 21:31
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Nicht Rapid, sondern Apple ist seine Religion, erzählen Kollegen über Hannes Ametsreiter. Marketing und die Design-Philosophie des US-Konzerns haben es dem künftigen Chef von Vodafone Deutschland schon vor Jahren angetan. So soll er zu den Ersten in Österreich gezählt haben, die ein iPhone besaßen – obwohl sein Unternehmen damals selbst gar keine Apple-Handys anbot. Sein Unternehmen, das war die Telekom Austria, bei der der 48-Jährige fast sein gesamtes bisheriges Berufsleben verbrachte.

Der gebürtige Salzburger studierte zunächst in seiner Heimatstadt Publizistik und Sport und absolvierte nach seiner Promotion ein MBA-Studium in Kalifornien. 1996 wechselte er vom Konsumgüterkonzern Procter & Gamble zur Mobilkom Austria, der Mobilfunksparte der Telekom Austria. Dort legte er eine steile Karriere hin. 2001 übernahm er den Posten des Vorstandsdirektors für Marketing und Vertrieb. 2007 wurde er Marketingvorstand, und ab 1. Jänner 2009 war er für die Festnetzsparte der Telekom Austria zuständig. Vier Monate später stieg er zum Generaldirektor der Telekom Austria auf, nachdem sein Vorgänger Boris Nemsic das Unternehmen überraschend verlassen hatte, um zu einem russischen Mobilfunker zu wechseln. Im selben Jahr wurde die erste seiner beiden Töchter geboren. In seinem Abschiedsschreiben an die Mitarbeiter erklärte Ametsreiter, die Telekom habe zu "meinem privaten Familienglück erheblich beigetragen, da ich meine Frau Marie-Helene hier kennenlernen durfte".

Seinem Nachfolger hinterlässt Ametsreiter den Telekom-Marktführer in Österreich – eine Position, die Ametsreiter über Jahre verteidigt hat. Einen guten Teil seiner Arbeitszeit musste er mit Aufräumarbeiten nach abenteuerlichen Machenschaften innerhalb des Konzerns verbringen. Aktienkursmanipulationen, dubiose Rechnungen und Geldspenden an die Politik brachten die Telekom Austria in die Schlagzeilen und ihn vor einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss.

Ametsreiter selbst ging aus der Affäre unbeschadet hervor. "Dieses Stahlbad hat mich auch gestärkt", merkte er in einem Interview an. Allerdings wünscht er niemandem, in eine ähnliche Situation zu geraten.

Bei Vodafone Deutschland erwartet den leidenschaftlichen Segler eine Aufgabe, die er bereits in Österreich erfolgreich über die Bühne gebracht hat: die Fusion der Festnetz- und der Mobilfunksparte. (Markus Sulzbacher 20.6.2015)

  • Hannes Ametsreiter wird Chef von Vodafone Deutschland.

    Hannes Ametsreiter wird Chef von Vodafone Deutschland.

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