Galopper-Derby auf Sparflamme

19. Juni 2015, 19:31
posten

Der österreichische Klassiker findet zum 147. Mal statt, Ebreichsdorf hat sich erbarmt

Ebreichsdorf – Wer mit Sehnsucht auf das englische Parade-Sportereignis Royal Ascot blickt und selbst gern im Cut seine prächtig behutete Dame zum Pferderennen führen möchte, lese die gute Meldung: Das 147. österreichische Galopper-Derby findet am Sonntag statt. Noch vor einem halben Jahr war das gar nicht sicher, wie Isabella Copar, im Veranstalter-Verein AROC (Austrian Racehorse Owners Club) die treibende Seele, einbekennen muss. Denn die einzige noch betriebsfähige Galopprennbahn in Ebreichsdorf – in der Wiener Freudenau haben inzwischen die Maulwürfe die Grasbahn weitgehend übernommen – wird von einer Firma Magnolia, die irgendwie Frank Stronach gehören dürfte, verwaltet.

Der damalige Geschäftsführer wollte für die Bahnpflege einen Betrag, den der AROC praktisch nicht hätte stemmen können. Stronach dürfte das dann eingesehen und erkannt haben, dass ohne diese Belastung heuer doch ein paar Renntage durchgeführt werden können. Und so geschah es. Mittlerweile wurde auch der bisherige Geschäftsführer der Magnolia in Ebreichsdorf, der vor allem den Turniersport favorisierte, durch Nationalrätin Ulla Weigerstorfer abgelöst. Sie hat zum Rennsport eine bessere Beziehung.

Der AROC unter seinem neuen Präsidenten Reinhard Westermayr, der aus dem Traberlager kommt und dort mit seinem Stall Amanda zu den größten Besitzern zählt, stellt mit Sponsoren und der Hilfe des französischen Wettanbieters PMU heuer sechs Renntage auf. Am Sonntag finden immerhin 13 Rennen statt, vier im Galopp. Höhepunkt ist das mit 25.000 Euro dotierte Derby über 2200 Meter Grasbahn. Im Vorjahr waren es noch 60.000 Euro. Deshalb wurde es um eine Stufe auf Grad drei herabgesetzt. Weiterer Wermutstropfen: Unter den sieben Startern ist kein Pferd, das in Österreich trainiert wird. Die Teilnehmer kommen aus Deutschland, Tschechien, der Slowakei.

Frank Stronach zog für seinen Derby-Kandidaten Don Camillo, der in Irland bei Trainer Dermot Weld steht, ein viermal höher dotiertes Rennen in Ascot vor. Trost: Der Stall Salzburg des in Österreich tätigen Gerd Wernike mit Trainer Wolfgang Figge und Jockey Frederik Tylicki, die das Derby 2013 und 2014 gewinnen konnten, ist dabei. Sie versuchen mit dem Hengst Edington einen Hattrick, den in 146 Derbys noch niemand geschafft hat. Favorisiert werden aber die deutschen Stuten Attraction und Let's Dance. (dol, 20.6.2015)

Share if you care.