Zwei Drittel der Österreicher für Gewährung von Asyl

19. Juni 2015, 17:49
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Volkshilfe: Österreich wäre in der Lage, Schutzbedürftige "menschenwürdiger" unterzubringen

Wien – Als "Schande" bezeichnet Volkshilfe-Geschäftsführer Erich Fenninger die Zeltstadtlager für Flüchtlinge in Österreich. Er fordert ihren "sofortigen" Abbau sowie die Behebung aller "Missstände" im Aufnahmelager Traiskirchen. Österreich wäre in der Lage und hätte ausreichend Immobilien, um Schutzbedürftige "menschenwürdiger" unterzubringen. "Asyl ist kein Gnadenakt, wir müssen unserer Verantwortung gerecht werden", sagt Fenninger.

Ähnlich sieht das auch die österreichische Bevölkerung. Knapp zwei Drittel der Befragten sprechen sich im Volkshilfe-Sozialbarometer dafür aus, dass hilfsbedürftigen Menschen Asyl gewährt wird. Lediglich zehn Prozent der 1000 Personen, die vom Marktforschungsinstitut Specta interviewt wurden, stimmen der Forderung "gar nicht" zu.

Zwei Drittel der Gemeinden haben keinen Flüchtling

Deshalb appelliert Fenninger an die österreichischen Bürgermeister, mehr zur Flüchtlingsunterbringung beizutragen: "Zwei Drittel der Gemeinden haben keinen einzigen Flüchtling aufgenommen." Die Erfahrung der Volkshilfe habe gezeigt, dass die Bewohner auf neue Quartiere mit einer "Welle von Solidarität" reagieren.

Die Bevölkerung sei viel offener, als es die Politik glaube, meint auch Christian Schörkhuber, Geschäftsführer der Flüchtlings- und Migrantenbetreuung in Oberösterreich. In seinem Bundesland habe er gesehen, wie ganze Gemeinden sich für die Schutzsuchenden einsetzten: "Die Österreicher sind bereit, Verantwortung zu übernehmen."

Höhere Tagsätze für Kinder

Gerade unbegleitete minderjährige Flüchtlinge hätten diese Solidarität am nötigsten. Sie würden in den Lagern "dahinvegetieren" und weiter traumatisiert, sagt Schörkhuber, der eine Übernahme der Betreuung durch die Kinder- und Jugendhilfe fordert. Zudem sollen die Tagsätze für die Betreuung erhöht werden. Auch die Studienteilnehmer stimmen dem zu: 58 Prozent finden, dass die Grundversorgung mit Mindestsicherung und Ausbildung für alle Kinder gleich sein soll. (Oona Kroisleitner, 19.6.2015)

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