Urheberrecht: Filmregisseure schlagen Alarm

19. Juni 2015, 17:25
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Neue Gesetzesnovelle komme einer "Enteignung" gleich - Ulrich Seidl: "Geht gar nicht"

Wien – Als "Schlag ins Gesicht" bezeichnen heimische Filmregisseure die Gesetzesnovelle zum Urheberrecht, die noch vor der Sommerpause vom Parlament beschlossen werden soll. Konkret geht es um eine Rechteübertragung, mit der ein Urheber alle Verwertungs- wie Bearbeitungsrechte eines Werks an den Filmproduzenten abgibt. Dies komme, so der Regieverband, einer "Enteignung" gleich: Regisseure würden weniger Rechte als Filmkomponisten und Drehbuchautoren eingeräumt.

Der Regisseur müsste mindestens dem Autor gleichgestellt sein, fordert Ulrich Seidl auf Standard-Anfrage, zumal es sich mit Österreich um ein Filmland handle, in dem der eigentliche Anstoß für einen Film meist nicht von Produzenten, sondern von Regisseuren ausgeht. "Und dass ein Produzent das Recht bekommen soll, einen Film ohne Einverständnis des Regisseurs zu ändern, das geht überhaupt nicht", so Seidl weiter.

Als "vollkommenen Unsinn" bezeichnet auch Sabine Derflinger, Obfrau des Regieverbands, diesen Aspekt der Novelle: Bislang sei zumindest das Bearbeitungsrecht aufseiten der Künstler geblieben. "Nun setzt man die heimische Variante mit einem US-Modell gleich. Doch Österreich ist ein Autorenfilmland und wird auch so wahrgenommen." Der Regieverband fordert die Regierung auf, weitere Adaptierungen an der Novelle vorzunehmen, die die Rolle der Regie anerkennen.

Alexander Glehr, Präsident des Produzentenverbands (AAFP), zeigt sich über die Empörung indes überrascht. Die Urheberrechtsregelung bedeute eine Angleichung mit Deutschland, "hin zu Eigenproduktionen, bei denen ausschließlich der Produzent das wirtschaftliche Risiko trägt". Die nunmehrige Regelung ermögliche dem Produzenten die rechtssichere Auswertung des Filmes, was besonders für TV-Produktionen wichtig sei. Bei Autorenfilmen würden ohnehin andere Vertragsregelungen geschaffen.

Kritik an der Vorgehensweise der Regisseure übt auch Werner Müller, Geschäftsführer des Fachverbands der Film- und Musikwirtschaft Österreich. Der Tonfall sei "instinktlos" und gefährde eine Regelung, die Regisseuren auf der Ebene der Festplattenabgabe durchaus Vorteile bringe. (Dominik Kamalzadeh, 20.6.2015)

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