Smartphone ist Pflicht: Foto-Ausstellungen in Deutschland ohne Fotos

19. Juni 2015, 15:56
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Fotografen-Verband BFF will mit "Wild Card" in Stuttgart, Hamburg und Düsseldorf provozieren – Exponate werden erst auf digitalen Endgeräten sichtbar

In dieser Foto-Ausstellung hängt nicht ein einziges echtes Foto: Mit "Wild Card" will der Fotografen-Verband BFF in diesen Tagen in Stuttgart, Hamburg und Düsseldorf provozieren. Die Besucher betrachten die Exponate auf dem Smartphone oder dem Tablet, haben alle ein Mobilgerät vor der Nase.

Die Arbeiten von 94 Fotografen sind dort nur für den Besucher zu sehen, der sich zuvor eine kostenlose App auf sein Smartphone oder Tablet lädt. Er scannt einen Ausschnitt des Fotos, sogenannte Tracker, an der Wand und sieht kurze Zeit später die Fotokunstwerke auf dem Bildschirm. Und zwar nur dort.

Kritik an Tunnelblick aufs Display

Immer mehr Menschen würden die Welt allein durch ihr Mobilgerät sehen, sagte BFF-Geschäftsführer Jürgen Meister am Freitag in Stuttgart. Selbst auf dem Skywalk am Grand Canyon sei es vielen wichtiger, der ganzen Welt per Handy mitzuteilen, wo sie sind, statt innezuhalten und die Situation für sich in der Seele abzuspeichern. "Sie blenden das aus, was einen Ort speziell und einzigartig macht", sagte Meister. Die Ausstellung sei ein Experiment – eine "Wild Card".

Die unkonventionelle Ausstellung war in dieser Woche in Düsseldorf zu sehen, ist noch bis Samstag in Hamburg bei der Triennale der Photographie und von Sonntag bis 7. Juli in Stuttgart zu Gast.

Schwarz-Weiß-Fotos nebenan

Hier ist der Kontrast zur klassischen Fotografie besonders deutlich, denn auf der Ausstellungsfläche gleich nebenan präsentiert der Hamburger Werbefotograf Christian von Alvensleben seine Werkserie "Isla Negra" mit kontrastreichen Schwarz-Weiß-Fotografien von Lanzarote – Felsen, Häuser, Pflanzen, Wasser, Porträts der Fischer. "Sie ist nicht tot", sagt von Alvensleben über die klassische Fotografie. Auch er nutze das Digitale für seine Kunst, habe aber "einen Faible für die ursprünglichen Dinge". (APA, 19.06.2015)

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