ARE-Chef: "Spielen keine marktbeeinflussende Rolle"

19. Juni 2015, 17:36
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BIG- und ARE-Chef Hans-Peter Weiss sieht im milliardenschweren Wohnbauprogramm keine Konkurrenz für den geförderten Wohnbau

Hans-Peter Weiss, Geschäftsführer der BIG und deren gewerblicher Tochter ARE, sieht im milliardenschweren Wohnbauprogramm keine Konkurrenz für den geförderten Wohnbau.

STANDARD: Bei der Bekanntgabe des Zwei-Milliarden-Wohnbauprogramms im Februar haben Sie auch kleinere Städte und Gemeinden dazu eingeladen, sich bei Ihnen zu melden. Wie viele sind denn bisher an Sie herangetreten? Anders gefragt: Wie regional wird denn dieses Wohnpaket?

Weiss: Aktive Angebote für Baugründe seitens kleinerer Städte oder Gemeinden gibt es im Moment nicht. Aber mit verschiedenen Kommunen laufen Gespräche. Wir haben mit der Stadt Graz einen Workshop gemacht, das ist auch mit weiteren Städten geplant. Dabei erörtern wir, wo es Bedarf gibt und wie wir mit den städtischen Einheiten zusammenarbeiten können. Da sind sicher auch Bezirksstädte dabei. Wir müssen natürlich immer auch die Wirtschaftlichkeit dieser Projekte prüfen.

STANDARD: Vonseiten der Gemeinnützigen gibt's Vorbehalte, einerseits wohl aus einem gesunden Konkurrenzdenken heraus, andererseits schwingt da auch ein wenig Neid durch, dass Sie mit Ihrer Initiative nicht an die Wohnbauförderrichtlinien gebunden sind, sondern einfach nur nach Bauordnung und deshalb billiger bauen können.

Weiss: Das muss man relativieren. Im geförderten Wohnbau gibt's eine breite Community an sehr gut agierenden Unternehmen. Dieser Markt ist besetzt. Wir gehen ganz bewusst in ein Segment, wo man nicht mehr förderwürdig ist: den günstigen freifinanzierten Bereich, also eine knappe Etage darüber. Zum Vorwurf, wir hätten vielleicht da und dort bessere Bedingungen: Wir haben dadurch natürlich einerseits auch nicht die Vorteile der Förderung. Und wir achten andererseits penibel darauf, dass wir etwa bei der Finanzierung Marktkonditionen anwenden und die Projekte auch über Projektgesellschaften finanzieren, sodass alles entsprechend nachvollziehbar ist. Wir setzen auch viele Projekte gemeinsam mit Partnern aus der Privatwirtschaft um. Und natürlich muss man das auch in Relation zum Gesamtmarkt setzen. Es ist nicht so, dass wir eine marktbeeinflussende Rolle spielen würden. Wir bauen um rund zwei Milliarden Euro etwa 10.000 Wohnungen in sechs Jahren. Bei rund 60.000 Wohnungen, die in Österreich jährlich errichtet werden, ist das eine geringe Größe.

STANDARD: Aber ist das noch leistbares Wohnen, worauf Sie abzielen? Die AK hat Bedenken ...

Weiss: Experten sagen uns, dass es noch leistbar ist, wenn man maximal ein Drittel des Haushaltseinkommens fürs Wohnen ausgeben muss. Darauf zielen wir ab. Das gilt für die Mehrheit der Projekte, aber nicht ausschließlich, denn wir bedienen ja unterschiedliche Segmente.

STANDARD: Die Mieten, die Ihre Mieter zu zahlen haben, werden also wohl eher Marktmieten, keine Kostenmieten sein?

Weiss: Das werden natürlich Marktmieten sein. Wobei wir uns bemühen werden, verschiedene Angebote, gerade auch was die Zusatz- und Nebenkosten betrifft, zu formulieren. Weil wir aufgrund der Mengenskalierungen einen gewissen Vorteil lukrieren werden können, den wir dann auch weitergeben wollen.

STANDARD: Das heißt konkret?

Weiss: Dass wir etwa mit Maklern sprechen wollen, ob sie eine vergünstigte Provision anbieten können.

STANDARD: Also dass Ihre Mieter nur eine Bruttomonatsmiete zahlen anstatt zwei?

Weiss: Ich will mich jetzt nicht zahlenmäßig festlegen, aber wir wollen ein günstiges Paket schnüren.

STANDARD: Der Vertrieb läuft nur über Makler?

Weiss: Ja, wir haben keine eigenen Maklerstrukturen. Deswegen werden wir uns selbstverständlich in der jeweiligen Region der Profis bedienen, die das können.

STANDARD: Die BIG hat allerdings eine Maklertochter für Sonderobjekte, die Sivbeg. Die wird in letzter Zeit oft kritisiert, weil sie die Kasernenareale zu Bestpreisen verkaufen muss. Werden Sie oft von erbosten Bürgermeistern angerufen?

Weiss: Nein, weil ich nicht der operative Geschäftsführer bin. Die Sivbeg ist auch nicht Eigentümer, sondern Verkaufseinheit, und die BIG hält auch nur einen Minderheitsanteil an der Gesellschaft. Die Sivbeg bekommt in Einzelaufträgen Liegenschaften zur Verwertung übertragen, mit einem klaren Verwertungsauftrag. Und der ist umzusetzen. Andere Überlegungen kann eine derartige Organisation nicht anstellen.

STANDARD: Was passiert mit der Sivbeg, wenn alle Heeresliegenschaften verkauft sind?

Weiss: Da gibt's ein klares Szenario: Sie wird aufgelöst werden. Die Sivbeg ist ja auch eine sehr kleine und effizient arbeitende Einheit.

STANDARD: Dank der personellen Überschneidungen mit der BIG.

Weiss: Nein, das haben wir sauber getrennt. Es gibt dort fünf Mitarbeiter, die nur für die Sivbeg tätig sind. Es gibt Dienstleistungen, die von der BIG zugekauft werden, wie von anderen Dienstleistern auch. Bei der ARE ist es nicht ganz so, wobei wir das beim Personal auch schon weitgehend getrennt haben. Und es gibt auch dort eine Dienstleistungsvereinbarung zwischen BIG und ARE, wo ganz klar verrechnet wird.

STANDARD: Wird das auch so bleiben? Minister Mitterlehner hat letztes Jahr Sympathien für eine völlige Trennung geäußert, mit eigener Geschäftsführung, eigenen Büros.

Weiss: Vorerst leben wir mit dieser Konstellation sehr gut. Wenn sich die beiden Unternehmen weiterentwickeln, wird man schauen, ob eine Organisationsveränderung Vorteile bringt oder nicht. Im Moment gibt es noch sehr viele Synergien zwischen BIG und ARE. (19.6.2015)

Hans-Peter Weiss (43) ist seit 2011 Geschäftsführer der Bundesimmobiliengesellschaft und seit 2013 auch von deren Tochter ARE. Davor war der studierte Forst- und Holzwirt Geschäftsführer der Bundesforste sowie der Esterhazy Betriebe GmbH.

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