Salzburg: Valie-Export-Kino als interaktive Aktion

19. Juni 2015, 17:30
27 Postings

Das Museum der Moderne widmet der österreichischen Künstlerin einen eigenen Raum. Und ein Gespräch

Salzburg – Die gebürtige Linzerin Valie Export feiert heuer ihren 75. Geburtstag. In einem zurzeit im Museum der Moderne auf dem Salzburger Mönchsberg laufenden Sammlungsüberblick namens Wirkliches Leben? ist den Arbeiten der feministischen Künstlerin daher ein eigener Raum gewidmet. Kunstinteressierte können Export hier am Samstag auch persönlich treffen, wenn sie im Rahmen der Veranstaltung Expanded Cinema & More zu Gast in Salzburg sein wird.

Geprägt wurde der Begriff des "Expanded Cinema" vom US-Medientheoretiker Gene Youngblood. Er bezeichnet filmische Arbeiten, die über die übliche Kinoprojektion hinausgehen: sei es durch Mehrfachprojektionen, Multimediakonzepte, bei denen Film oder Video mit realen Aktionen verbunden werden, oder das Fehlen von Filmmaterial und Leinwand. Immer gilt es dabei, die plane Leinwandoberfläche mit den illusionistischen Scheinrealitäten der darauf projizierten Bilder sowie die herkömmliche Filmsprache zu überwinden. Ein zentra- ler Aspekt dieser Kunstpraxis ist die (mögliche) Interaktion mit dem Publikum sowie die Einbeziehung des menschlichen Körpers.

Ab 1968 hat sich Valie Export – gemeinsam mit Peter Weibel – vor allem solchen Aktionen gewidmet. Details dazu wird die Künstlerin im Gespräch mit MdM-Direktorin Sabine Breitwieser erläutern. Danach kommen drei Arbeiten zur Aufführung: Abstrakt Film Nr. 1 (1967-1968) thematisiert die Herstellung eines Films ohne Zelluloid und ist eine Hommage an die Laterna Magica und ähnliche frühe Lichtprojektionen – über einen angestrahlten Spiegel läuft eine Flüssigkeit und wirft ein abstraktes Muster auf die Leinwand. In Ping Pong (1968) wird das Publikum zum Mitspielen eingeladen – und der Begriff "Spielfilm" einmal ganz anders definiert. Auf+Ab+ An+Zu (1968) schließlich überprüft die "Machbarkeit von Welt" mittels Zeich(n)en und Projektion: Der Zuschauer darf den Zelluloidstreifen selbst übermalen, den Film so eigenhändig montieren. Zum Abschluss wird noch Exports Spielfilm Die Praxis der Liebe (1984) gezeigt. Anmeldung erbeten. (Gerhard Dorfi, 19.6.2015)

Valie Export: Expanded Cinema & More, Salzburg, Museum der Moderne Mönchsberg, 0662/ 84 22 20-351. 20. 6., 15.00

Link

Museum der Moderne

  • Im zwölfminütigen "Remote Remote" von 1973 spielt die österreichische Künstlerin mit dem eigenen Körper.
    foto: valie export / sammlung generali foundation - museum der moderne salzburg

    Im zwölfminütigen "Remote Remote" von 1973 spielt die österreichische Künstlerin mit dem eigenen Körper.

Share if you care.