Finanzieller Spielraum: EZB erweitert Kreditrahmen für griechische Banken

19. Juni 2015, 15:36
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Die griechische Zentralbank stellt dem Bankensystem ein gutes Zeugnis aus. In der vergangenen Woche wurden angeblich rund zwei Milliarden Euro abgehoben

Griechenland – Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Kreisen zufolge erneut die Nothilfen für die griechischen Banken erhöht. Das erfuhren AFP, Reuters und die Finanznachrichtenagentur Bloomberg am Freitag von mit der Sache vertrauten Personen. Ein genauer Betrag wurde nicht genannt.

Nach Reuters-Informationen wird der EZB-Rat am Montag die Notfallhilfen erneut überprüfen. Von diesen Hilfen sind die griechischen Banken abhängig, denn im Schuldenstreit zwischen der griechischen Regierung und ihren Geldgebern zeichnet sich immer noch keine Einigung ab.

Schäuble skeptisch

Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble sieht nur geringe Chancen für einen Durchbruch im Schuldenstreit mit Griechenland bis zum Euro-Sondergipfel am Montag. "Ich bin skeptisch, dass wir bei der Eurogruppe am Montag mehr vorbereiten können, als wir bereits getan haben", sagte Schäuble am Freitag.

Es gebe bisher nicht genug Substanz, um den Gipfel der Staats- und Regierungschefs vorzubereiten. "Wir sind alle nicht besonders enthusiastisch." Er wolle seine Skepsis aber nicht als Kritik an EU-Ratspräsident Donald Tusk verstanden wissen, das Sondertreffen einberufen zu haben.

Abgehoben

Die Lage der griechischen Banken wird immer prekärer. Aus Angst vor einer Staatspleite heben die Konsumenten und Unternehmen viel Geld von ihren Konten ab, um es ins Ausland zu transferieren oder als Bargeld zu horten. Dieses Geld fehlt den Banken aber in ihrem Tagesgeschäft. Weil sie zugleich von der herkömmlichen Finanzierung über die EZB abgeschnitten sind, erhalten sie von der griechischen Zentralbank Nothilfen (Emergency Liquidity Assistance), die der EZB-Rat genehmigen muss.

Nachdem ein Treffen der Eurofinanzminister am Donnerstag keinen Durchbruch brachte, ist nun für den Montag ein Eurosondergipfel anberaumt. Griechenland verhandelt seit Monaten mit seinen internationalen Geldgebern über die Bedingungen für die Auszahlung ausstehender Finanzhilfen von 7,2 Milliarden Euro. Gibt es in den kommenden Tagen keine Einigung, droht die Pleite und womöglich ein Ausscheiden aus der Eurozone.

Gutes Zeugnis

Die griechische Zentralbank stellt dem griechischen Bankensystem jedenfalls ein gutes Zeugnis aus. Zentralbankchef Ioannis Stournaras sieht keine Gefahr. Das habe Stournaras am Freitag bei einem Treffen mit dem Minister zur Koordinierung der Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern, Euclid Tsakalotos, versichert, hieß es in einer Erklärung aus Regierungskreisen.

Beide Seiten seien sich einig gewesen, dass sich die Regierung mit großem Engagement "für eine Verständigung mit ihren Partnern" eingesetzt habe und der Weg zu einer Einigung "nicht mehr weit" sei, hieß es in der Erklärung. Sie sollte offenbar die Bürger und die Märkte beruhigen, nachdem zuletzt Bankkunden vermehrt Geld abgehoben hatten aus Sorge, dass im Fall eines Scheiterns der Gespräche Kapitalkontrollen eingeführt werden. Zudem sollte die Erklärung wohl die Geschlossenheit von Regierung und Zentralbank demonstrieren.

Die Zentralbank hatte am Mittwoch in scharfen Worten vor einem Scheitern der Verhandlungen gewarnt, da das zur Zahlungsunfähigkeit und letztlich dem Austritt aus der Währungsgemeinschaft und der EU führen würde. Daraufhin war ihr aus Regierungskreisen Einmischung in die Politik vorgeworfen worden. (APA, red, 19.6.2015)

  • Weitere Liquidität für Griechenlands Banken.
    foto: reuters/paul hanna

    Weitere Liquidität für Griechenlands Banken.

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