Draußen sein mit ... dem Klettersteig-Set "Tech Step Bionic Turn 2" von Mammut

Video21. Juni 2015, 15:00
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Teil II der Kletter-Basics mit der Top-Kletterin Barbara Bacher

Es ist noch nicht lange her, dass "echte" Kletterer die Nase rümpften, wenn man in ihrer Nähe das Wort "Klettersteig" nur dachte. Oder zugab, einer jener Menschen zu sein, die sich auf die "Via Ferrata" begäben. Also auf jene Hybride aus alpinen Wanderwegen und Klettersteigen, die – meist – mit stählernen Fixseilen gesichert sind, an denen man sich nicht einfach nur festhalten, sondern mit diversen Sicherungseinrichtungen tatsächlich safe einbinden kann.

Doch auch wenn manche Bergsteiger heute noch ein Schnoferl ziehen, ändert das nichts daran, dass Klettersteiggehen noch mehr boomt als Klettern – und sowohl Tourismusregionen als auch Wege-Instandhalter auf die Nachfrage reagieren: Mittlerweile gibt es im Alpenraum gut 2.000 markierte und gesicherte Klettersteige in jedem Schwierigkeitsgrad.

Natürlich hat die Industrie längst auf den Trend reagiert: Anfangs hängte man sich meist – wenn überhaupt – lediglich mit einer Kombination aus Bandschlinge, Repschnur-Klettergurt-Improvisation und Karabiner ans fixe Seil. Dann – als man erkannte, dass just an den Stellen, an denen das fixe Seil am Fels montiert war und man sich also kurz aushakte, die größten Abrutschrisiken herrschten, begann man doppelt, also mit zwei Bandschlingen, abzusichern. Und alsbald kamen die ersten Y-Gurte auf den Markt: Klettersteig-Sets eben.

foto: thomas rottenberg

Unterschiedliche Sets

Heute bietet längst jeder Hersteller alpiner Aurüstungen mehrere und sehr spezifische Sets an. Unterschieden wird in der Regel nach Gewichtsklassen (der Anwender), Schwierigkeitsgraden und Häufigkeit des Einsatzes.

Moderne Klettersteig-Sets haben Spezialkrabiner, mit denen das Einhängen ins Seil leicht, das versehentliche Ausklinken aber unmöglich ist (okay: unmöglich ist gar nix. Weil gegen Fantasie/Idiotie kein Kraut gewachsen ist …). Um nicht einfach "hart" ins Seil zu fallen, sind die Y-Gurte einerseits elastisch und münden andererseits in einen "Dämpfer". Dieser "Bandfalldämpfer" ist eine Sturzbremse: Im Fall des Falles knallt man nicht brutal ins Seil, sondern wird dynamisch abgefangen.

foto: thomas rottenberg

Viele Klettersteigsysteme haben heute auch Anti-Verdreh-Einrichtungen zwischen Bremse und den beiden Sicherungsgurten: So erspart man sich das lästige Ausdrehen und Entheddern nach der siebten oder achten Karabiner-Umhängerei.

Sicherheitszertifizierungen gibt es bei Klettersteig-Sets selbstverständlich längst. Markenware erfüllt die Anforderungen in der Regel immer, Nachschauen und Nachfragen lohnt aber trotzdem. Kein Sicherheits-, aber ein echtes Komfortmerkmal: Ist die Ankerstichschlinge, mit der das Klettersteigset am Hauptsicherungsring des Klettergurts befestigt wird, groß genug, um das Gurtsystem samt Dämpfer gut und bequem durchziehen zu können? Nerviges Herumgefudle zu Beginn einer Tour kann den Spaß an der Sache nämlich nachhaltig schmälern …

Mittlerweile ist Klettersteiggehen auch in der Kletterszene keine verlachte Disziplin mehr. Auch weil die Via Ferrata ein wichtiger Übungsplatz ist, um alpin weniger versierten Menschen (oder Kindern) die Angst vor dem Berg zu nehmen – ohne ihnen den Respekt vor und das Gefühl für alpine Gefahren zu nehmen, erklärte mir Barbara Bacher dann vor zwei Wochen.

foto: thomas rottenberg

Bacher ist eine der besten Kletterinnen Österreichs. Sie klettert in der Nationalmannschaft – und gehört dem Pro-Team des Schweizer Alpin-Equipment-Giganten "Mammut" an. Ich traf sie im Ötztaler Outdoor-Entertainment-Park Area 47, als ich dort für den STANDARD für eine Sommer-Outdoor-Job-Story recherchierte. Bacher zeigte mir da an der (wirklich nicht nur einfachen) Schnupperkletterwand der "Area" einige der unverzichtbaren "Basics" für das Herumturnen in Fels- oder Kunstwänden. Und hatte auch ein Klettersteig-Set ihres Sponsor und Ausstatters mitgebracht: Das "Tech Step Bionic Turn2" – Mammuts High-End-Modell, das laut diversen Testberichten zahlreicher Alpin- und Klettermagazine das Etikett "empfohlen" auf alle Fälle verdient. Aus meiner subjektiven Sicht stimmt das auch. Und objektiv gesagt ist das Set ein Referenzmodell dafür, was derzeit State of the Art ist.

Im Ötztal gibt es eine Unzahl an Klettersteigen. Da uns aber die Zeit für Anfahrt und Zustieg fehlte, man die Equipment-Basics des Sportes aber auch im Flachen demonstrieren kann, improvisierten Bacher und ich ein bisserl.

Ich hoffe, sie verzeihen uns. :-)

thomas rottenberg

Eine Botschaft gab die Profi-Kletterin mir dann aber noch mit auf den Weg: "Sicherheit geht vor. Immer." Und auch wenn Klettersteiggehen eine "Light"-Version von Klettern ist und die Ausrüstung vor allem Sicherheit geben soll, ist man doch im (hoch)alpinen Gebiet unterwegs.

Deshalb gilt: Nie ohne Helm. Nie ohne Notfallausrüstung. Nie ohne Notfall- oder Exitstrategie. Nie ohne Wetterbericht. Nie, ohne daheim, im Hotel oder der Hütte Routen- und Zeitplan deponiert zu haben. Und: Kinder sowie am Berg unsichere Personen werden zusätzlich zum Set noch separat gesichert.

Wieso? Weil Spaß am Berg und Freude an der Bewegung nur das Zweitwichtigste sind. Am wichtigsten ist es, wieder heimzukommen. Und zwar unverletzt. (Thomas Rottenberg, 21.6.2015)

foto: thomas rottenberg
MAMMUT Tech Step Bionic Turn 2
UVP: 110,– Euro
Länge: 100 cm
Gewicht: 520 g

Anmerkung im Sinne der redaktionellen Richtlinien:

Das verwendete und gezeigte Material wurde nach dem Test wieder an Mammut retourniert.

Der Aufenthalt in der Area 47 war eine Einladung der Betreiber des Ötztaler Outdoor-Parks

  • Das wahre Fitnesscenter ist draußen. Und der große Abenteuerspielplatz Outdoor zieht Kinder jedes Alters immer mehr in seinen Bann. Deshalb testet Thomas Rottenberg wöchentlich "Spielzeug", das für Spaß, Sport oder sonst was im Freien gedacht und gemacht ist. Selbst, streng – und subjektiv

    Im Sinne der Compliance-Regeln des STANDARD halten wir fest: Die getesteten Teile wurden und werden uns in der Regel von den Herstellern und/oder ihren PR-Agenturen für einen beschränkten Zeitraum zur Verfügung gestellt. Andernfalls – etwa bei von Freunden Geborgtem, selbst Gekauftem, aus logistischen, verschleiß- oder verschmutzungstechnischen Gründen nicht Refundierbarem oder Dingen, die uns so gut gefallen, dass wir sie nicht mehr hergeben können/wollen – wird das im Artikel angeführt.

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