Zahl der zwergenhaften Maui-Delfine unter 50 gesunken

19. Juni 2015, 13:13
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Neuseeländische Spezies steht kurz vor dem Aussterben – Artenschutzexpertin wünscht sich öffentliches Aufbegehren

Berlin/Wellington – Ihre schwarze, abgerundete Rückenflosse erinnert manche an Mickey-Maus-Ohren – tatsächlich sind die Popotos oder Maui-Delfine (Cephalorhynchus hectori maui) aus verschiedenen Gründen etwas Besonderes: Mit einer Länge von nur etwa 1,20 bis 1,40 Metern und einem Maximalgewicht von 50 Kilogramm gehören sie zu den kleinsten Delfinarten der Welt. Leider sind sie aber auch die seltenste.

Die einzige bekannte Population dieser Flachwasserbewohner lebt vor der Westküste der neuseeländischen Nordinsel. Und sie ist in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch geschrumpft: Wurden in den 1970er Jahren noch an die 2.000 Tiere gezählt, so schätzt man den Gesamtbestand nun auf sage und schreibe etwa 45 Tiere. Und davon sei wohl nur ein Teil fortpflanzungsfähig, sagte die Artenschutz-Leiterin bei NABU International in Berlin, Barbara Maas.

Berechnungen mit erschreckendem Ergebnis

Maas hat die Zahl der verbliebenen Delfine für Beratungen der Internationalen Walfangkommission (IWC) berechnet. Grundlage dabei war die Annahme aus den Jahren 2010/11 von etwa 55 mindestens einjährigen Tieren. Die Zahl war damals anhand genetisch untersuchter Gewebeproben zustande gekommen. Einkalkuliert hat Maas den Verlust an Delfinen, die sich jedes Jahr in den Schlepp- und Kiemennetzen industrieller Fischer verheddern. Etwa 95 Prozent aller Todesfälle gingen demnach auf die Fischerei zurück.

Betrachtet hat die Expertin auch die jährliche Fortpflanzungsrate. Schon lange ist bekannt, dass sich Maui-Delfine von Natur aus nur sehr langsam vermehren und damit die Todesfälle nicht kompensieren können. Mehr als 80 Jahre würde es laut NABU dauern, bis die Zahl der Delfine wieder auf 500 steigt, selbst wenn die Bedrohung durch den Menschen ein Ende nimmt. Inzwischen sei der Delfin-Lebensraum in den Fokus von Ölfirmen gerückt – Tests und Bohrungen seien eine Zusatzbedrohung.

"Es braucht öffentliches Aufbegehren"

Vielleicht noch 15 bis 20 Jahre, dann könnte die Art endgültig ausgestorben sein, lautet der ernüchternde Befund. Der gesamte Lebensraum der Tiere müsse unter Schutz gestellt werden, hätten mehrere Gremien, darunter die IWC, empfohlen, so Maas.

Die neuseeländische Regierung hatte die Schutzgebiete in der Vergangenheit als ausreichend bezeichnet. Der Widerstand in der Industrie gilt als groß: Vertreter kritisierten, dass Krankheiten, Umweltverschmutzung und natürliche Feinde in der Debatte nicht beachtet würden.

Maas sieht die Möglichkeiten der Wissenschaft ausgeschöpft: "Es braucht öffentliches Aufbegehren." Neuseeland sitze das Thema seit Jahren aus. "Es geht nur ums Geld." (red/APA, 19.6. 2015)

  • Kleiner Körper, kleiner Bestand: Zwei der letzten Maui-Delfine ziehen ihre Bahn.
    foto: ap photo/department of conservation

    Kleiner Körper, kleiner Bestand: Zwei der letzten Maui-Delfine ziehen ihre Bahn.

  • Zu viele Tiere sind in Fischernetzen verendet. Ihre geringe Fortpflanzungsrate konnte die Verluste nicht ausgleichen.
    foto: ap photo/new zealand government

    Zu viele Tiere sind in Fischernetzen verendet. Ihre geringe Fortpflanzungsrate konnte die Verluste nicht ausgleichen.

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