Schmähs aus der US-Wahlkampfkiste

Kolumne19. Juni 2015, 16:38
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Der Bushmann soll kein Bushmann mehr sein

Eine der komischeren Meldungen dieser Woche kam aus den USA: John Ellis "Jeb" Bush hat den Amis am Montag klargemacht, dass er 2016 für das Präsidentenamt kandidieren will. Die Quasifeudalisierung Amerikas, von der diese Ansage zeugt, ist an sich von makaberer Komik: Der Bush-Präsenz folgt die Bush-Persistenz bis hin zur Bush-Penetranz. Gegen die Beharrungssucht der Bushes waren selbst die Bourbonen Waisenkinder. Gut möglich, dass bei der nächsten amerikanischen Revolution im Jahr 3000 King Bush XVI. unters Schafott gelegt wird.

Komischer noch das andere Bush-Problem, das Jeb plagt. Wir wissen ja: Die acht Jahre unter seinem Bruder George W. (Irakkrieg etc.) sind vielen Amerikanern in so unguter Erinnerung. dass ihnen die Aussicht auf einen weiteren Bush im Weißen Haus willkommen ist wie ein Furz im Raumanzug.

Von Jeb kann man schwerlich verlangen, dass er sich nun umbenennen lässt (Jeb Jones, Jeb Kowalski, Dalai Jeb usw.), um mit dem Bush hinter dem Busch zu halten. Daher stehen seine Politstrategen vor der Aufgabe, seinen Wahlkampf anderweitig zu entbushen, auf dass jeder Gedankenkonnex zu Bush-Vater und Bruder-Bush, den anderen Büschen also, tunlichst aus den Wählerhirnen verschwinde.

Das Entbushungskommando hat sich schon auf Teufel komm raus an die schöne Kunst des Auslassens gemacht: Jebs Website wimmelt von Jebs in fetten Lettern ("Meet Jeb!"); alle Bushes dagegen werden klein (oder gar nicht) geschrieben. Die Website heißt nicht bush2016.com, sondern jeb2016.com. Wie sonst!

Analoge Weglassschmähs finden wir, no na, nicht nur in den USA, sondern auch hierzulande. Seit Jörg Haider als kostspieligster Blauclown der heimischen Geschichte entlarvt worden ist und nur noch das Wählersegment im IQ-Bereich achtzig minus das Gegenteil glaubt, kommt die FPÖ mit dem Entjörgen kaum nach. Eher würde H.-C. Strache auf Tschick und Haargel verzichten, als zuzugeben, dass er in seinem Leben mit dem Jörgl mehr als nur ein Schwein gehütet hat.

Wer auf der FPÖ-Website nach dem Namen "Haider" sucht, findet weit über hundert Treffer zu FP-Tourismussprecher Roman Haider, zu Jörg Haider gerade zwölf. Ganz offenkundig: So wenig, wie die Freiheitlichen mit dem Jörg zu tun haben, hat sonst höchstens noch der Jeb mit der Familie Bush zu tun. (Christoph Winder, Album, 19.6.2015)

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