Die neue Gründerzeit an Fachhochschulen

19. Juni 2015, 10:06
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Start-up-Gründungen während oder nach dem Studium liegen im Trend. Wie Studierende an FHs unterstützt werden, ist unterschiedlich. Ist das Umfeld gut, profitieren ganze Regionen. Hallein und Linz zeigen es vor

Wien – Was haben Zeitraffervideos, Fitnesstraining mit dem Smartphone, Schutz vor gefälschten Produkten und recycelte Erinnerungsstücke miteinander zu tun? All diese Dienstleistungen und Produkte sind als Start-ups in und um Fachhochschulen entstanden.

Wie viele Start-ups an FHs gegründet wurden, ist nicht erfasst. Dass es Jahr für Jahr aber mehr werden und der Trend nach oben zeigt, ist offensichtlich. Ablesen kann man das einerseits daran, dass auch jene FHs, die bisher eher wenig Initiative bei der Gründungsförderung zeigten, mit Programmen, Wettbewerben und Räumen aufwarten. Auch die Fachhochschulkonferenz (FHK) interessieren die Aktivitäten an den österreichischen FHs in Richtung Start-up und Spin-off: Aktuell werden die einzelnen Standorte für eine Analyse zum Thema durchgerufen. "Man rennt momentan eher offene als geschlossene Türen ein", sagt FHK-Generalsekretär Kurt Koleznik auch im Hinblick auf die Initiativen in der Politik, Hürden für Gründungen zu minimieren.

Natürlich sind Unternehmensgründungen und Start-ups nicht erst seit kurzem ein Thema für Fachhochschulen: Entrepreneurship sei von jeher ein Grundpfeiler der Hochschulen gewesen, gleichbedeutend mit dem Praxisbezug, sagt Koleznik.

Die Fachhochschulen gehen das Thema Start-ups und Unternehmensgründung dabei höchst unterschiedlich an: Auf dem Campus Hagenberg der FH Oberösterreich gibt es beispielsweise schon seit 2007 ein Transferzentrum für Unternehmensgründungen. Im Studiengang Mobile Computing fand sich hier das Gründungsteam von Runtastic, dem wahrscheinlich erfolgreichsten Start-up aus Österreich – zumindest wenn es um Gründungen aus dem Fachhochschuldunstkreis geht: Die Fitness-App, die via GPS am Smartphone aufzeichnet, wie viele Kilometer der User in welcher Zeit läuft, wurde weltweit bereits mehr als 110 Millionen Mal heruntergeladen. Eine Inspiration für viele gründungswillige Studierende.

Wie diese nun von ihren Hochschulen unterstützt werden, ist in Österreich sehr unterschiedlich. Ingo Prepeluh, der für die erwähnte Analyse mit den FHs in Kontakt ist, benennt auch regionale Differenzen: "Man kann sagen, dass es ein West-Ost-Gefälle gibt." Das habe natürlich auch damit zu tun, dass manche Regionen als starke Partner der Fachhochschulen auftreten. In Hallein etwa sind seit Mai drei Start-ups in leerstehende Büros eingezogen: Initiiert wurde das Projekt vom Fachbereich Film im Studiengang MultiMediaArt der FH Salzburg, beim Bürgermeister stieß man auf Zustimmung. Die Stadt stellt die Geschäftsräume ein Jahr lang mietfrei zur Verfügung und investiert dafür 20.000 Euro. Die Salzburg AG sponsert das Internet. Vorbild sei nicht nur der Stadtteil Prenzlauer Berg in Berlin, sondern auch die Industriestadt Linz, wo Künstler und Kreativunternehmen die urbanen Räume belebt und aufgewertet haben, sagt der designierte Rektor Gerhard Blechinger.

Open Labs bis Pitch-Bewerbe

Unterschiede gibt es auch bei den Zugängen: An manchen FHs liege der Fokus darauf, Gründungswillige zu versammeln und ihnen im Dialog mit anderen und ohne feste Gruppen zu ermöglichen, an Ideen und Konzepten zu feilen, in Form sogenannter Open Labs. Gerade daran, die ersten Gedanken zum runden Konzept zu bringen, würden viele Gründungsmotivierte scheitern, sagt Koleznik. Hier brauche es sehr viel Mut – der Austausch mit anderen kann viel bewegen. Manchmal sind solche Labs nicht nur für FH-Studierende, sondern auch für andere Interessenten offen. Hochschulübergreifend wird beispielsweise in Linz gearbeitet: Beim Verein akostart oö vereinen sich die Johannes-Kepler-Universität, die FH OÖ und die Kunstuniversität Linz.

Andere Hochschulen fokussieren eher Wettbewerbe - hier sind die Konzepte schon zu Ende gedacht und werden in kurzen Pitches präsentiert, im Idealfall mit Businessplan im Gepäck.

Zu guter Letzt bringen auch die verschiedenen Fachbereiche Unterschiede mit sich: Manche Standorte wie etwa Hagenberg oder St. Pölten sind mit Studiengängen in der mobilen Entwicklung für Start-ups geradezu prädestiniert – an kreativen oder sozialen Studiengängen ist die Orientierung vorrangig eine andere. Das Beispiel Hallein zeigt aber, das der Fachbereich nicht immer in der Technik liegen muss, um Anreize für Start-ups zu schaffen.

In den Rundrufen erkundigte sich Prepeluh auch immer nach den Wünschen der Hochschulen, wenn es um zukünftige Start-up-Initiativen geht. Wenig überraschend antworten die meisten mit Geld – "vor allem um Zentren aufbauen zu können." Denn was vonseiten der Studierenden gewünscht wird, ist vor allem Raum. (Lara Hagen, 20.6.2015)

  • Start-ups sind im Trend: Diese Entwicklung wird nun auch an Fachhochschulen stärker fokussiert
    foto: ap/marquez

    Start-ups sind im Trend: Diese Entwicklung wird nun auch an Fachhochschulen stärker fokussiert

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