BMW Gran Tourer: Gruppendynamiker

21. Juni 2015, 17:00
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BMWs Siebensitzer-Van im Praxistest

"Möglichst zielgruppennah testen", hatte der Chef gesagt. Den Gran Tourer sehen und von dieser Weisung vor allem "Gruppe" verstehen lag nahe. Was tun? Kurzes Nachsinnen, dann "Aha, eh klar"-Effekt: Paten- und Lieblingsonkel Michael anrufen und zur Familientestsitzung einladen.

Es tanzten an: Hannah, Jahkob, Sarah. Grob gesagt: sechseinhalb, fünfeinhalb, dreieinhalb Jahre alt. Mama Anna fixierte die Kindersitze, und sofern der Standard-Tester das richtig beobachtet hat, ging das fix und zügig vonstatten. Ja, und wo nimmt unsereins jetzt Platz zur kurzfristigen Beobachtung des Familienlebens an Bord? Genau, im Siebensitzer kann man für so einen Zweck hinten noch zwei Einzelsitze hochklappen. Einer davon wurde umgehend seinem Einsatzzweck zugeführt.

Der Einstieg verlangt eine gewisse körperliche Geschmeidigkeit, was soll's, selbst der junge Mensch kann nicht immer und überall elegante Haltung zeigen. Und dort hinten will man zwar als Erwachsener, trotz Vorschiebens der Rückbank zur Gewinnung halbwegs akzeptabler Kniefreiheit, keine Weltreise unternehmen, die Sinnhaftigkeit des zusätzlichen Gestühls erschließt sich aber durchaus.

Wenig Kofferraum

Den Pferdefuß werden Sie unschwer erraten: Es bleibt dann nur mehr wenig Kofferraum zum Verstauen der Familienutensilien. Stofftiere und anderes Spielzeugs wurden zwar ohnehin von den entzückenden Trespueriles direkt betreut (oder in eins der vielen Fächer und Ablagen verfrachtet), aber sonst lautete die Devise: Zurückhaltung beim Gepäck.

Dazu ein kurzer Vergleich. Als Siebensitzer bietet der 2er Gran Tourer 560 (bei umgeklappten hintersten Sitzen) bis zu 1820 Liter Kofferraum, als Fünfsitzer etwas mehr, nämlich 645 bis 1905. Das ist viel, das ist sogar enorm. Der 4,53 Meter lange neue VW Touran (Grand Tourer: 4,56 m) allerdings, der aufgrund fast identischer Außenabmessungen der Hauptgegner des BMWs sein dürfte, bietet als Fünfsitzer 834 bis 1980 Liter, als Siebensitzer bis zu 1857 Liter.

Sport-Modus rein

Klingt in dem Kapitel nach einem Punktesieg für den VW – aber die haben natürlich eine lange Erfahrung mit Vans; BMW fängt damit gerade erst an. Wie man hört, treffen die Bayern allerdings einen Nerv: Sowohl der kleinere Sports Tourer als auch der Gran erfreuen sich großer Beliebtheit, vor allem bei Menschen, die bisher keinen BMW gekauft haben.

Außer dem Familientest haben wir getreu der Chef-Order auch noch Beladungs- und Belastungsszenarien durchgespielt sowie das Verhalten auf längeren Strecken. Komfortabel in der Fahrwerksgrundeinstellung, aber in Kurven wollte es fast scheinen, als neige der Gran Tourer ein klein wenig zum Wanken. Also Sport-Modus rein, dann ist das kein Thema, so wird der Van zum Gruppendynamiker. Motor? 190 PS. Kraftvoll, sparsam – und nicht ganz leise. (Stephan-Alexander Krenn, 21.6.2015)

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BMW

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • Das ist eindeutig ein Van. Und der führt BMW neue Kundschaft zu.
    foto: stockinger

    Das ist eindeutig ein Van. Und der führt BMW neue Kundschaft zu.

  • Kernkompetenz: Flexibilität und Platz für bis zu sieben Insassen.
    foto: stockinger

    Kernkompetenz: Flexibilität und Platz für bis zu sieben Insassen.

  • Wie man hört, treffen die Bayern damit einen Nerv.
    foto: stockinger

    Wie man hört, treffen die Bayern damit einen Nerv.

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