EZB bangt um griechische Banken

19. Juni 2015, 07:54
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Die Europäische Zentralbank will noch heute über die Lage der Athener Banken beraten, am Montag tagen die EU-Chefs bei einem Sondergipfel

Brüssel – Wegen des ungelösten Schuldenstreits und der drohenden Staatspleite bringen immer mehr Griechen ihr Geld in Sicherheit. Bankenkreisen zufolge zogen die griechischen Kunden allein zwischen Montag und Mittwoch rund zwei Milliarden Euro von ihren Konten ab.

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll sich Insidern zufolge nicht sicher sein, ob die griechischen Banken am Montag öffnen können. Während der Sitzung der Eurofinanzminister in Luxemburg habe Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem EZB-Ratsmiglied Benoît Coeure gefragt, ob die griechischen Banken am Freitag öffnen könnten, sagten mit der Sache Vertraute am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Coeure habe geantwortet: "Morgen, ja. Montag – ich weiß es nicht." Die EZB wollte die Gerüchte bis Freitag nicht bestätigen.

Warten auf Geldspritzen

Erst am Mittwoch hatte die EZB die Obergrenze für Liquiditätshilfen der griechischen Notenbank für die griechischen Banken um 1,1 Milliarden auf 84,1 Milliarden Euro angehoben, wie Reuters aus Finanzkreisen erfuhr. Die griechischen Banken sind in großem Umfang auf diese Geldspritzen angewiesen, die im Fachjargon ELA (Emergency Liquidity Assistance) genannt werden.

Hotline für Griechen-Hilfen

Die EZB hat Insidern zufolge für Freitag eine Telefonschaltung über eine Aufstockung der Nothilfen für Griechenlands Banken angesetzt. Der Beschluss wurde zwei mit dem Vorgang vertrauten Personen zufolge am Donnerstag gefällt, nachdem die Eurofinanzminister keine Einigung in der Schuldenkrise erzielt hatten.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hat sich unterdessen optimistisch gezeigt, dass es für Griechenland in der Schuldenkrise eine Lösung innerhalb des Euro gibt. "Der Sondergipfel der Staats- und Regierungschef am Montag ist eine positive Entwicklung auf dem Weg zu einer Einigung", erklärte Tsipras am Freitag.

All denjenigen, die auf eine Krise und "Terrorszenarien" wetteten, werde das Gegenteil bewiesen werden. Tsipras betonte, die Lösung werde EU-Recht respektieren und es Griechenland erlauben, innerhalb des Euro zu Wachstum zurückzukehren.

Griechenland-Krise wird Chefsache

Ein Sondertreffen der Staats- und Regierungschefs der Euroländer am Montag soll Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen über einen Ausweg aus der griechischen Finanzkrise bringen. EU-Ratspräsident Donald Tusk berief den Gipfel in Brüssel ein. "Es ist höchste Zeit, über die Lage in Griechenland auf höchster politischer Ebene zu sprechen", sagte Tusk am Donnerstag.

Es dürfte die letzte Möglichkeit für einen Durchbruch sein, bevor Griechenland Ende des Monats die Zahlungsunfähigkeit droht. Die Geldgeber wollen nur dann weitere Hilfsgelder freigeben, wenn Griechenland einem Reform- und Sparprogramm zustimmt. Dabei geht es um das Pensionssystem, die Mehrwertsteuer und ein Budget mit einem Primärüberschuss, also vor Zinszahlungen und Tilgungen.

Das Treffen der Eurofinanzminister in Luxemburg zu Griechenland war am Donnerstag wie so viele Gesprächsrunden zuvor ergebnislos zu Ende gegangen. Trotzdem zeigte sich Eurogruppen-Chef Dijsselbloem verhalten zuversichtlich, dass doch noch ein Deal zustande kommt, der auch eine Verlängerung des Ende Juni auslaufenden Hilfsprogramms für Griechenland möglich macht. (APA, Reuters, 19.6.2015)

  • In Athen machten wilde Gerüchte die Runde, die griechischen Banken könnten wegen  Liquiditätsproblemen in Kürze schließen.
    foto: apa/epa/orestis panagiotou

    In Athen machten wilde Gerüchte die Runde, die griechischen Banken könnten wegen Liquiditätsproblemen in Kürze schließen.

  • Alexis Tsipras rechnet stark mit einer Lösung für das krisengebeutelte Griechenland.
    foto: reuters/maxim shemetov

    Alexis Tsipras rechnet stark mit einer Lösung für das krisengebeutelte Griechenland.

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