Stefan Raab: Einer der letzten TV-Giganten lässt es gut sein

Kopf des Tages18. Juni 2015, 18:19
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Die Größen der Branche ziehen sich peu à peu zurück

Gottschalk ist weg, Schmidt demontierte sich selbst, Jauch tritt kürzer, und nun hat auch Raab keine Lust mehr. Sein Sender wollte den Vertrag verlängern – einzig, Stefan Raab hat mit dem Fernsehen abgeschlossen.

Für ProSieben ist der Abschied ein Schlag. Seit 16 Jahren ist Raab Quotengarant. Der Sender verdankt dem Entertainer einige der herausragendsten TV-Ereignisse in der Geschichte des deutschsprachigen Fernsehens.

Vor 22 Jahren begann der gelernte Fleischhauer bei Viva und verhalf dem jungen Popsender zu einem erwachseneren Image. Als Raab 1999 zu ProSieben wechselte, schaffte er es schnell, sämtliche Absurditäten in pures Gold zu verwandeln: Für den Hit Maschendrahtzaun reichte schon der Dialekt einer Gerichtsshow-Teilnehmerin. Raab übertrieb es aber auch. Lisa Loch erhielt 70.000 Euro Schadenersatz, da er sie ob ihres Namens lächerlich machte.

Formate exportiert

Prominente steckte er in Woks und ließ sie Bobbahnen runterdonnern. Mit Schlag den Raab schuf er ein Konzept, das dem negativen Trend im Showfernsehen standhielt. Während Wetten, dass? schon lange mit der Quote haderte, wurde Raabs Format in alle Welt exportiert. Mit Verbissenheit und Einsatz tritt er noch bis Ende des Jahres gegen die Kandidaten an und geht an die eigenen körperlichen Grenzen. Wie beim Boxkampf gegen Regina Halmich – Nasenbeinbruch in der dritten Runde.

Über sein Privatleben ist wenig bekannt: eine Lebensgefährtin, zwei Kinder. Liedermacher Friedemann Weise widmete Raabs Verschwiegenheit den Song Das Privatleben von Stefan Raab – ein Treppenwitz, da eigentlich Lieder von und nicht über ihn geschrieben werden.

Mr. Song Contest

So gelang es Raab, Ralf Siegel den Titel des Mr. Song Contest abspenstig zu machen – er komponierte Guildo Horns Beitrag. 2000 trat er selbst an und erreichte mit der Nonsensnummer Wadde hadde dudde da? den fünften Platz. Den größten Erfolg feierte Raab als Entdecker und Produzent von Lena Meyer-Landrut, die den Song Contest 2010 für Deutschland gewann.

Fernsehen wird er weiterhin machen, immerhin hält er Anteile an der Produktionsfirma Brainpool. Sein Vermögen wird auf 70 Millionen Euro geschätzt. Nichtsdestotrotz ist Raabs Abgang als Nachruf auf das analoge Fernsehen zu deuten. Die Größen der Branche ziehen sich peu à peu zurück und hinterlassen Lücken, die nicht mehr gefüllt werden müssen, da sich diese Form der Unterhaltung selbst überlebt hat. (Andreas Haberl, 18.6.2015)

  • Absprung: Stefan Raab lässt es sein.
    foto: apa/dpa/schutt

    Absprung: Stefan Raab lässt es sein.

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