Aufregung um Penthouse-Kauf in gemeinnützigem Wiener Wohnbau

18. Juni 2015, 18:02
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Gewog-Chef Wurm verkaufte sich selbst Wohnung – Stadtrat Ludwig will strengere Compliance-Regeln

Wien – "Meine Konsequenz ist: Ich kaufe sicher nichts mehr von Firmen, die in meinem Dunstkreis sind." Das sagte Karl Wurm, Geschäftsführer des SPÖ-nahen gemeinnützigen Wohnbauträgers Neue Heimat / Gewog, am Donnerstag dem STANDARD.

Genau das hatte Wurm davor aber gemacht: Er erwarb in den vergangenen Jahren mehrere Wohnungen in von der Gewog sowie gewerblichen Tochterfirmen errichteten Gebäuden. Diese Praxis wurde jetzt öffentlich bekannt und kritisiert. Laut Presse soll er die Wohnungen billiger als die unmittelbaren Nachbarn erstanden haben.

Besonders ein Wohnungskauf ist pikant: Wurm, der auch Obmann des Dachverbandes der gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV) ist, sicherte sich 2003 ein 139-Quadratmeter-Penthouse in einem neuen Gewog-Bau in Wien-Hernals. Weil Wurm die Grundvoraussetzungen für eine geförderte Wohnung nicht erfüllte (er verdiente zu viel), ließ er die Wohnung per Sondergenehmigung von der Rechtsabteilung des Wohnbauressorts von der Förderung ausnehmen. Diesem stand damals Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) vor.

"Die Optik ist nicht gut"

Den Kaufvertrag für die dann frei finanzierte Wohnung unterschrieb Wurm zweimal: einmal als Geschäftsführer der Gesellschaft und also als Verkäufer, einmal als Käufer. "Die Optik ist nicht gut", gestand Wurm. Rechtlich und finanziell sei aber immer alles korrekt abgelaufen.

Wurm habe Marktpreise für seine Wohnungen bezahlt. "Verfehlungen kann ich zum jetzigen Zeitpunkt ausschließen. Ich wurde ja schon geprüft."

Verschärfung der Compliance-Regeln

Der Wiener Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) will eine Verschärfung der Compliance-Regeln bei gemeinnützigen Wohnbauträgern sowie deren gewinnorientierten gewerblichen Tochterunternehmen prüfen lassen.

Im konkreten Fall Wurm will die Stadt das Ergebnis der Untersuchung des zuständigen Revisionsverbandes abwarten. "Wo die Stadt tätig werden kann, wird sie dem auch nachkommen", heißt es aus dem Büro Ludwig. Laut Klaus Lugger, dem Aufsichtsratschef des Revisionsverbandes, könnte die Stadt als Aufsichtsbehörde aber auch direkt an den Verband herantreten.

Am 2. Juli findet eine Aufsichtsratssitzung des Revisionsverbandes der Gemeinnützigen statt, bei der die Wohnungskäufe Wurms Thema sind. (krud, 18.6.2015)

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