Die erste Generation von Sternen im All

18. Juni 2015, 19:23
37 Postings

In einer fernen Galaxie namens "CR7": Erster sichtbarer Hinweis auf jene Sterne, die sich einst direkt aus dem Material des Urknalls entwickelt haben sollen

Garching – Bei einem Blick in die Tiefen und damit zugleich in die Frühzeit des Universums hat ein Forscherteam womöglich erstmals einen sichtbaren Hinweis auf die allererste Generation von Sternen gefunden, berichtet die Europäische Südsternwarte (ESO). Die Wissenschafter entdeckten mit dem Very Large Telescope (VLT) in Chile die hellste bisher beobachtete Galaxie im frühen Universum – und glauben in ihr deutliche Hinweise auf die bisher nur in der Theorie existierenden Sterne der ersten Generation gefunden zu haben.

Die Allerersten

Bisher war die Suche nach der physikalischen Existenz dieser Sterne ergebnislos geblieben, die paradoxerweise "Population III" genannt werden, da die Sternengenerationen von der Gegenwart aus rückwärts gezählt werden. Diese Sterne entstanden der Theorie zufolge aus der Materie, die vom Urknall selbst stammte.

Diese Ur-Sterne sollen Astronomen zufolge hunderte bis tausende Male massereicher als die Sonne und mit wenigen Millionen Jahren sehr kurzlebig gewesen sein. Sie können sich nur aus den wenigen Elementen gebildet haben, die vor diesen Sternen existierten – nämlich Wasserstoff, Helium und Spuren von Lithium. Alle schwereren Elemente wurden später im Inneren dieser Sterne und ihrer Nachfolger gebildet, darunter die für das Leben unentbehrlichen Elemente Sauerstoff, Stickstoff, Kohlenstoff und Eisen.

Die galaktische Heimat der Sterne

Auf die helle Galaxie stießen die Forscher bei Beobachtungen mit dem ESO-Großteleskop VLT in der chilenischen Atacama-Wüste, dem Keck-Observatorium und dem Subaru-Teleskop auf Hawaii sowie dem Weltraumteleskop "Hubble". Die Galaxie erhielt die vorläufige Bezeichnung CR7, was bei manchen Fußball-Assoziationen wecken wird, hier aber für "COSMOS Redshift 7" steht, ein Maß für die Entfernung bezogen auf das kosmische Alter.

Mit Instrumenten am VLT fanden die Astronomen in CR7 starke Strahlung von ionisiertem Helium – aber überraschenderweise keine Anzeichen schwerer Elemente in einem hellen Teil der Galaxie. Das bedeutete, dass die Wissenschafter den ersten brauchbaren Hinweis auf Haufen von Population-III-Sternen in einer Galaxie im frühen Universum entdeckt hatten.

Die Astronomen sind begeistert

"Diese Entdeckung übertraf unsere anfänglichen Erwartungen, da wir nicht damit gerechnet hatten, eine solch helle Galaxie zu finden", erklärte der Wissenschafter David Sobral. "Dann, als wir das Wesen von CR7 Stück für Stück enthüllten, verstanden wir, dass wir nicht nur die mit Abstand leuchtkräftigste entfernte Galaxie gefunden hatten, sondern begannen auch zu realisieren, dass sie jedes einzelne Merkmal besaß, das man von Sternen der Population III erwartet."

Diese Sterne hätten die ersten schweren Atome gebildet, "aufgrund welcher wir letztlich überhaupt existieren", fügte Sobral hinzu. "Noch aufregender geht es wirklich nicht." (red/APA, 18.6. 2015)


Link
ESO

  • Wie berauscht von der eigenen Schönheit: CR7. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um eine Aufnahme, sondern um eine künstlerische Darstellung der galaktischen Lichtquelle.
    illustration: eso/m. kornmesser

    Wie berauscht von der eigenen Schönheit: CR7. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um eine Aufnahme, sondern um eine künstlerische Darstellung der galaktischen Lichtquelle.

Share if you care.