Streit im Endspiel um Casinos Austria

19. Juni 2015, 05:30
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Die Epic-Gruppe will 55 Prozent der Casinos-Anteile kaufen. Ein von B&C beauftragter Gutachter hegt den Verdacht auf verbotene Einlagenrückgewähr

Wien – Bei der Casinos Austria AG (Casag) rollt die Kugel immer schneller. Nach dem Einstieg von Novomatic bei der Casag-Mehrheitsbeteiligung Lotterien gibt es nun ein Angebot für die Übernahme der Mehrheit der Casinos. Ein Konsortium rund um den österreichischen Investor Peter Goldscheider und dessen Vehikel Epic, dem auch zwei tschechische Milliardäre angehören, will 55 Prozent der Casag-Anteile kaufen.

Angesprochen wurden ein Finanzkonsortium rund um Raiffeisen und Vienna Insurance (Medial Beteiligungsgesellschaft; hält 38,29 Prozent der Casag) sowie die MTB Privatstiftung von Maria Theresia Bablik (16,8 Prozent). Das Angebot soll unverbindlich sein und eine Preisspanne beinhalten, erfuhr der STANDARD aus Casag-Eigentümerkreisen. Offiziell kommentiert das niemand.

Querschuss gegen Regierungsplan

Bablik soll für ihr Casag-Paket auch ein Offert der Novia Gruppe (Malta) haben, bei der Politikberater Tal Silberstein im Management sitzt, der einst Kanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) beraten hat. Mit dabei sind auch Gusenbauer selbst und Ex-RBI-Chef Herbert Stepic.

Das Pikante an alledem: Finanzminister Hans Jörg Schelling versucht gerade, die Casinos zu kaufen. Ein Drittel der Anteile hält die Staatsholding Öbib bereits jetzt, der Rest soll erworben werden, um die Eigentümerstruktur zu vereinheitlichen und dann einen Börsengang durchzuführen.

Schon der Novomatic-Deal der B&C Holding (hielt acht Prozent der Lotterien) war ein Querschuss gegen die Regierungspläne – sollte das Epic-Konsortium zum Zug kommen, wären sie ganz geplatzt.

Streit mit B&C

Die Lotterien sind die Cashcow der Casinos Austria; beteiligt sind neben der Casag mehrere Banken, der ORF und die Melchart Privatstiftung. Die B&C Industrieholding bzw. ihre Tochter, die nun aus den Lotterien ausgestiegen ist, lag sich schon länger mit Casinos- bzw. Lotterien-Führung rund um Karl Stoss in den Haaren. Lotterien-Aufsichtsratsvize Erich Hampel (Vorstand der B&C Privatstiftung und Ex-Bank-Austria-Chef) wollte wegen des Verbots des Kleinen Glücksspiels in Wien etwa den Einsatz von Video Lotterie Terminals (VLT; die Lotterien halten die Lizenz dafür) vorantreiben, Erfolg hatte er keinen.

Chef-Salär hinterfragt

Fragen rund um die Bezahlung der (personenidenten) Chefs von Österreichischen Lotterien und Casinos trugen auch nicht zur Entspannung bei. Im März landete die Stimmung auf dem Gefrierpunkt.

B&C hinterfragte die (für die Casinos kostenlose) Nutzung der VLT-Lizenz in der Entertainment Glücks- und Unterhaltungsspiel GmbH, einer gemeinsamen Tochter von Lotterien und Casag. Sie gab ein Gutachten beim Linzer Universitätsprofessor Martin Karollus in Auftrag, der prompt den Verdacht auf verbotene Einlagenrückgewähr in den Raum stellte.

Vorwurf der Einlagenrückgewähr

Ein Aufschrei und ein Brief der Chefs und des Aufsichtsratsvorsitzenden der Lotterien, Walter Rothensteiner, an B&C folgten. Sie warfen der B&C Industrieholding darin die ohne Erlaubnis erfolgte Weitergabe vertraulicher Dokumente vor. Und sie vermuteten, dass es der B&C in Wahrheit darum gehe, den Preis für den – damals erst beabsichtigten – Anteilsverkauf in die Höhe zu schrauben. Karollus' Sachverhaltsannahmen seien falsch.

In der Lotterien Gesellschaft betont man auf Anfrage des STANDARD, dass man die Vorwürfe in Abrede stelle und juristisch überprüfen lasse. Die Kugel rollt nun also weiter, das Gegengutachten wurde inzwischen bereits beim Wiener Anwalt Markus Fellner in Auftrag gegeben. (gras, 19.6.2015)

  • Im Frühling ist der Streit in der Lotterien Gesellschaft eskaliert; Gutachten und Gegengutachten sind die Folge.
    foto: matthias cremer

    Im Frühling ist der Streit in der Lotterien Gesellschaft eskaliert; Gutachten und Gegengutachten sind die Folge.

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