Stadt Salzburg finanziert Sprachkurse für Asylberechtigte

Bericht18. Juni 2015, 18:16
10 Postings

Flüchtlinge sollen in den Arbeitsmarkt integriert werden und nicht von der Mindestsicherung leben müssen.

Salzburg – Eigentlich wäre ja der Bund für die Sprachausbildung von asylberechtigten Menschen zuständig, aber weil dieser seinen Verpflichtungen nicht nachkomme, müsse jetzt die Stadt Salzburg einspringen, sagt Salzburgs Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer (SPÖ). 95.000 Euro nimmt die Stadt in die Hand, damit sollen an der Volkshochschule Deutschkurse für 500 Asylberechtigte ermöglicht werden.

Die Aktion beginnt Mitte Juni. Die Zuweisung der Asylberechtigten erfolgt durch das Sozialamt. Mit Intensivkursen mit jeweils 20 Wochenstunden sollen die vor Krieg, Verfolgung und Hunger Geflüchteten die Basisstufe A1 nach den Normen des österreichischen Sprachdiploms erreichen.

Das Niveau A1 umfasst einen Sprachschatz zwischen 500 und 800 Worten. Sprachlevel A1 ist die Voraussetzung, dass sich jemand beim Arbeitsmarktservice um einen Job bewerben kann.

Stadt spart sich viel Geld

Dass die Stadt den Sprachkurs für Menschen aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak übernimmt, ist freilich nicht nur bloße Menschenfreundlichkeit. Letztlich werde man sich viel Geld sparen, sagt Hagenauer.

Ihre Rechnung: Habe ein Flüchtling Asylstatus erhalten, dann falle er aus der Bundesbetreuung und muss von der Mindestsicherung in der Höhe rund 800 Euro pro Monat leben. Die Hälfte dieses Betrags zahle die Stadt Salzburg, die andere Hälfte das Land. Bei 1116 Asylberechtigten, die derzeit in der Landeshauptstadt leben, ist das viel Geld.

Zum Vergleich: Ein Sprachkurs kostet die Stadt pro Teilnehmer gerade einmal 180 Euro. Kann dieser dann dank besserer Deutschkenntnisse am Arbeitsmarkt vermittelt werden, habe man die Kursgebühren sofort wieder herinnen, rechnet Hagenauer vor. Dass die Menschen vermittelbar sind, dessen ist sich Hagenauer sicher. Viele Flüchtlinge seien ja in ihren Heimatländern gut ausgebildete Fachkräfte gewesen.

Sanktionen für zu viele Fehlstunden

Das Angebot der Sprachkurse sei auch nicht als "Wohlfühlprogramm" für die Asylberechtigten gedacht. Es herrscht Anwesenheitspflicht bei den Terminen. Wer zu oft "schwänzt", muss mit Sanktionen rechnen. Konkret soll bei mehr als 20 Prozent Fehlstunden die Mindestsicherung gekürzt werden. (Thomas Neuhold, 19.6.2015)

  • Salzburgs Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer kritisiert die Untätigkeit des Bundes in Integrationsfragen.
    foto: stadt salzburg/killer

    Salzburgs Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer kritisiert die Untätigkeit des Bundes in Integrationsfragen.

Share if you care.