Fall Alijew: Kasachische Behörden übten laut Zeugin Druck aus

18. Juni 2015, 14:25
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Ex-Lebensgefährtin von Angeklagtem Mussayev schildert Drohungen von Ermittlungsbehörde

Astana/Wien – Die frühere Lebensgefährtin des Angeklagten Alnur Mussayev hat beim Alijew-Mordprozess ausgesagt, die kasachischen Behörden hätten auf sie Druck ausgeübt. "Ich sollte mich an irgendwelche nichtexistenten Dinge erinnern, die für die Mitarbeiter des Innenministeriums des Staates Kasachstan von Interesse wären", sagte die Frau am Mittwoch vor dem Wiener Straflandesgericht.

Die frühere Lebensgefährtin wiederholte vor dem Gericht frühere Angaben, nach denen Mussayev zum Zeitpunkt der ihm vorgeworfenen Entführung zweier Bankmanager im Februar 2007 wegen einer mutmaßlichen Alkoholvergiftung für einige Tage unpässlich war. Sie räumte allerdings ein, Mussayev in den betreffenden Tagen nicht persönlich gesehen, sondern nur über das Telefon gesprochen zu haben. Dabei habe der damalige Alkoholiker wirr und kraftlos gewirkt.

Zeugin: Drohungen bei Einvernahme

Dem Gericht schilderte sie den späteren Druck der kasachischen Behörden. Zwar habe bei einer Einvernahme der Geheimdienst KNB, dessen Chef ihr Ex-Lebensgefährte Mussayev früher war, nicht versuchte, auf ihre Aussage Einfluss zu nehmen. Die Ermittlungsbehörde DVD habe sie hingegen mehrfach auch unangekündigt abgeholt und einvernommen, dabei habe es Drohungen gegeben.

"Wie soll man das schildern, wenn der Untersuchungsführer dir sagt: 'Sitz ein bisschen, denk nach, wir haben große Räumlichkeiten im Keller.' Ich bewerte das als Druckausübung und als Drohung", sagte die Zeugin. Befragt worden sei sie nicht zur Entführung, sondern zu ihrem Privatleben mit Mussayev. Die Zeugin gab an, seit 2012 keinen Kontakt mehr mit ihrem früheren Lebensgefährten gehabt zu haben.

Mussayev und Vadim Koshlyak verantworten sich gemeinsam vor Gericht wegen des Vorwurfes, 2007 zwei kasachische Bankmanager entführt und später ermordet zu haben. Sie sollen unter Führung von Rakhat Alijew gehandelt haben, dem damaligen Botschafter Kasachstans in Österreich und in Ungnade gefallenen Ex-Schwiegersohn von Präsident Nursultan Nasarbajew. Alijew erhängte sich vor Beginn der Verhandlung, in der er Hauptangeklagter gewesen wäre, in der Justizanstalt Josefstadt in seiner Zelle. Seine Anwälte bezweifeln einen Selbstmord. (APA, 18.6.2015)

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