Wiener sollen bis 2025 um 1,5 Jahre gesünder sein

18. Juni 2015, 14:16
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Die Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely definierte Gesundheitsziele und Maßnahmen: Die Anzahl der gesunden Lebensjahre soll erhöht werden

Wien – Die Wiener sollen bis 2025 um eineinhalb Jahre länger gesund leben. Um das zu erreichen, hat die Stadt Wien neun Gesundheitsziele definiert, die anhand konkreter Maßnahmen erreicht – und auch laufend gemessen werden sollen. So sieht das Paket etwa eine Senkung der Kaiserschnittrate, mehr Bewegung an Schulen oder bessere Zahngesundheit bei Kindern vor.

"Unser zentrales Ziel ist es, die Gesundheit und Lebensqualität der Wiener nachhaltig zu fördern und zu verbessern und uns dabei auch messen zu lassen", erklärte Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Dazu wurden 133 Experten aus 62 Organisationen von Ärztekammer bis Stadtschulrat versammelt, die gemeinsam neun übergeordnete Gesundheitsziele erarbeitet haben.

Maßnahmenpaket

So soll die gesundheitliche Chancengerechtigkeit für Kinder und Jugendliche erhöht, die Gesundheitsförderung in der Arbeitswelt gestärkt und Selbstständigkeit und Lebensqualität bis ins hohe Alter gefördert und erhalten werden.

Ebenfalls auf der Agenda: Die Etablierung der integrierten Versorgung – also laut Wehsely "die Grenzen zwischen stationärer und niedergelassener Versorgung niederreißen", die Gesundheitskompetenz der Wiener fördern und Prävention, Früherkennung und Behandlungsabläufe gezielt optimieren.

Zudem soll die psychosoziale Gesundheit der Bevölkerung gestärkt, die Umweltbelastung gering gehalten und Bewegung gefördert und schließlich ein Gesundheitsmonitoring aufgebaut werden.

Kaiserschnitt, Karies und Fußwege

Konkret bedeutet das: Die Kaiserschnittrate von 30 auf 25 Prozent zu senken, die Frühgeburtenrate bei acht Prozent zu stabilisieren, mehr als die Hälfte aller Sechsjährigen kariesfrei zu bekommen oder alle Elf- bis 15-Jährigen dazu zu bewegen, fünfmal pro Woche eine Stunde körperlich aktiv zu sein.

45 Prozent aller Wiener sollen ihre privaten Wege bis 2025 zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen und ein Viertel zu diesem Zeitpunkt in einem Unternehmen arbeiten, das betriebliche Gesundheitsförderung zur Verfügung stellt. Arbeitsunfälle sollen weiterhin in gleichbleibendem Maß reduziert werden.

Lebensrealität ändern statt Plakate affichieren

"Wir haben unsere Ziele so gewählt, dass sie erreichbar sind – aber mit Anstrengung", betonte Wehsely. Für jedes dieser Unterziele wurde eine Reihe von Maßnahmen festgelegt: Um beispielsweise die Ernährung bei Kindern und Jugendlichen zu verbessern, soll Ernährungskompetenz verstärkt in die Ausbildung von Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen einfließen und auf gesunde Ernährung geachtet werden.

Wasser soll zunehmend Softdrinks in Schulen und Kindergärten ersetzen. Pädagogen erhalten eine Weiterbildung in der Gesundheitsförderung. Mit Informationskampagnen sollen auch Eltern für gesunde Ernährung gewonnen werden.

Die Maßnahmen werden laufend auf ihre Wirksamkeit kontrolliert: "Ich bin kein Fan von Plakaten, sondern von konkreten Änderungen der Lebensrealität der Menschen", so Wehsely. Die Gesundheitsziele wurden im zuständigen Ausschuss bereits mit den Stimmen der rot-grünen Regierung sowie der Wiener ÖVP angenommen, im Juli muss nun noch der Gemeinderat seinen Sanktus geben – dann wird mit der Umsetzung begonnen.

Blaue Kritik

Kritik kam dagegen von der Wiener FPÖ, die dazu eigens ebenfalls eine Pressekonferenz angesetzt hatte. Wehselys Ziele seien "nett, aber unrealistisch", betonten Gesundheitssprecher Peter Frigo und der nicht amtsführende Stadtrat David Lasar. (APA, 18.6.2015).

  • Wir werden zwar im Durchschnitt immer älter, verbringen aber auch mehr Jahre in Krankheit.
    foto: apa/lilli strauss

    Wir werden zwar im Durchschnitt immer älter, verbringen aber auch mehr Jahre in Krankheit.

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