Schulbücher für Oberstufe werden ab 2016/17 auch digitalisiert

18. Juni 2015, 13:12
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Mit der freiwilligen Nutzung digitaler Schulbücher sollen sich Österreichs Schüler an das digitale Lernen gewöhnen

Wien – Die Schule aus der "Kreidezeit zu holen" und die Digitalisierung in Österreichs Klassenzimmer einziehen zu lassen haben sich Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) vorgenommen. Geschehen soll das mit der Digitalisierung bereits vorhandener Schulbücher. In einer ersten Ausbaustufe sollen die Bücher für Schüler und Schülerinnen der 540 Oberstufen zusätzlich zu den gedruckten Ausgaben auch digitalisiert werden, beginnend mit dem Schuljahr 2016/17. Das Familienministerium, das jährlich 106 Millionen Euro für 8,9 Millionen kostenlose Schulbücher im Rahmen der Schulbuchaktion bereitstellt, investiert 850.000 Euro in diese "erste Ausbaustufe" der Digitalisierung.

Keine Interaktion in der ersten Ausbaustufe

Dass es sich tatsächlich nur um eine erste Ausbaustufe handelt, wurde bei der Präsentation eines digitalisierten Französisch-Lehrbuchs deutlich. Multimediale Inhalte, die etwa auch Interaktion erlauben, werden vergeblich gesucht. Dafür können Textpassagen markiert und um Notizen ergänzt werden. Auf Anfrage verwies Heinisch-Hosek auf andere multimediale Lernplattformen, die bereits zum Einsatz kämen. Zudem sollen die digitalisierten Schulbücher zu einem späteren Zeitpunkt evaluiert und weiterentwickelt werden.

Von der Digitalisierung der Schulbücher verspricht sich Karmasin, die bei der Präsentation von einem "großen Tag" sprach, viel. So soll Österreich, das derzeit im EU-Vergleich bei den digitalen Kompetenzen im Mittelfeld liegt, an die Spitze kommen. Dass bis zur flächendeckenden Digitalisierung des Schulwesens noch einige Schritte zu bewerkstelligen sind, wurde im Rahmen der Pressekonferenz deutlich. So monierte Friedrich Hinterschweiger, Vertreter der Schulbuchwirtschaft bei der Wirtschaftskammer, dass die Schulen in Österreich technisch unterschiedlich gut ausgestattet seien. Außerdem kritisierte er den mangelhaften Breitbandausbau "am flachen Land".

Geräte für alle

Heinisch-Hosek erklärte, langfristig müsse man sich auch die "Gerätefrage" stellen, nämlich ob Computer und Tablets für alle Haushalte leistbar sind. Auf Nachfrage des STANDARD sagte sie, für notwendige technische Ausstattung des digitalisierten Unterrichtes seien neben den Eltern auch der Bund und die Kommunen zuständig. In fünf bis zehn Jahren könnte ein "Sozialtopf" für die Anschaffung der Geräte bereitgestellt werden. Mit der freiwilligen Nutzung der digitalen Schulbücher soll vorerst einmal eine Gewöhnungsphase zum digitalen Lernen eingeleitet werden, erklärte die Bildungsministerin. (Katrin Burgstaller, 13.6.2015)

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