Grüne kritisieren "Inseratenwahn" der Tiroler Wirtschaftskammer

18. Juni 2015, 15:02
15 Postings

Kammer gab im ersten Quartal für Anzeigen fast dreimal so viel aus wie im Vorjahr, Zahlen in Salzburg und Vorarlberg hingegen rückläufig

Innsbruck – Wer im Februar in Tirol sein Kreuzerl für die Wirtschaftskammerwahl abgeben wollte, habe folgende Szenerie vorgefunden, erzählt Michael Carli, Sprecher der Grünen Wirtschaft: "Da stand die Wahlzelle, und darüber hing ein Bildschirm. Auf dem lief in Dauerschleife ein Promo-Video für den amtierenden Präsidenten Jürgen Bodenseer. Quasi als letzte Entscheidungshilfe für Unentschlossene."

Dass der schwarze Wirtschaftsbund mit Plakaten, die mit Kammergeldern finanziert wurden, Parteiwerbung betrieben habe, wurde von den Grünen schon damals kritisiert – Bodenseer war in seiner Funktion als Präsident etwa auf Sujets zu sehen, die allgemein zur Stimmabgabe animieren sollten. Nun wurden im Rahmen des Transparenzgesetzes die Ausgaben für Inserate veröffentlicht – und die seien "ein Skandal", wie Carli sagt.

Fast dreimal so viel Geld für Inserate

Konkret beliefen sich die Werbeausgaben der Tiroler Wirtschaftskammer im ersten Quartal 2014 auf rund 171.000 Euro, im gleichen Zeitraum im Jahr 2015 wurden 462.000 Euro dafür aufgewendet. "Während in anderen Bundesländern wie in Vorarlberg und in Salzburg die Inserate in den ersten drei Monaten des Jahres 2015 im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen sind, hat die Wirtschaftskammer Tirol fast dreimal so viel Geld ausgegeben. Das ist der absolute Inseratenwahn", sagt Carli.

Die Tiroler Wirtschaftskammer argumentiert, dass zu Jahresbeginn nicht nur die Wahlen stattgefunden haben, sondern man auch eine Imagekampagne "zur Stärkung des Standortes Tirol" gestartet habe. "So kam es zufällig zu zwei großen Posten im ersten Quartal, bis Ende des Jahres wird sich das wieder ausgleichen", sagt ein Sprecher.

Keine Offenlegung aller Kosten

Die Grüne Wirtschaft fordert jedenfalls, dass nicht nur die Kosten für Inserate, sondern sämtliche Wahlkampfausgaben offengelegt werden. "Die Anzeigen sind ja nur ein Teil dessen, was ausgegeben wurde. Wenn Bodenseer sein Privatvermögen sinnlos verbrennt, dann ist das seine Sache. Aber wenn er Kammergelder mit beiden Händen aus dem Fenster wirft, dann geht uns das alle an", moniert Carli. (Katharina Mittelstaedt, 18.6.2015)

Share if you care.