Elop-Rückzug: Schlussstrich unter Microsofts Nokia-Desaster

18. Juni 2015, 08:58
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Mit dem Ex-Nokia-Chef verlässt Microsoft auch der Anspruch, den Smartphone-Markt zu gewinnen

Rückblickend betrachtet war es wohl eine Schnapsidee, die sich der ehemalige Microsoft-CEO ausgedacht hatte: Um den enormen Rückstand auf dem Smartphone-Markt aufzuholen, sollte sich Microsoft mit der Übernahme von Nokia jene Expertise beschaffen, die mit ausreichend finanzieller Kraft den Umschwung bringen würde. Sieben Milliarden Dollar war das Microsoft 2013 wert, Nokia-Chef Stephen Elop wurde gleich zum Devices-Chef ernannt. Einige spekulierten sogar, dass Elop später Ballmer als Microsoft-CEO nachfolgen könnte. Doch es kam anders: Der Cloud-Experte Satya Nadella wurde oberster Chef bei Microsoft, und jetzt ist auch Elop Geschichte.

"Richtige Zeit"

"Wir haben uns gemeinsam darauf verständigt, dass jetzt die richtige Zeit für seinen Rückzug ist", schrieb Nadella am Mittwoch in einer internen E-Mail an die Microsoft-Mitarbeiter. Elop verlässt den IT-Giganten und folgt damit rund 18.000 Mitarbeitern, die großteils von Nokia übernommen und zu Jahresbeginn entlassen worden sind. Mit Elops Abgang (und den Begleitmaßnahmen) wird deutlich, dass Microsoft die unter Ballmer (sehr spät) entwickelten Ambitionen auf dem Smartphone-Markt endgültig aufgibt.

Services statt Devices

Das "neue" Microsoft will sich auf Services konzentrieren, eigene Geräte spielen nur die zweite Geige. Das steht konträr zur Firmenphilosophie des alten Nokia, das sich ausschließlich auf Geräte fokussierte. Microsofts Lumia-Smartphones wird es bestimmt weiterhin geben, laut "The Verge" sollte man aber keine großen Innovationen mehr erwarten: "Microsoft ist immer noch ein Neuling im Hardware-Design, während Nokia leidenschaftliche Entwickler hatte, die seit dem Beginn der Handy-Ära dick im Geschäft waren."

Kein Spektakel

Microsoft hatte allerdings den Plan, mit iPhones und Samsung-Flaggschiffen zu konkurrieren, schnell aufgegeben. Die Lumia-Reihe konzentrierte sich schon in letzter Zeit darauf, vor allem einen einfachen Einstieg ins Windows-Universum zu bieten. Auch das dürfte für Demotivation unter ehemaligen Nokia-Angestellten gesorgt haben. Denn Nokia ging es oft darum, etwas Spektakuläres auf die Beine zu stellen – beispielsweise 2012 ein Smartphone mit 41 Megapixel.

Cloud statt Smartphones

Microsoft-Chef Nadella geht den vorgegebenen Weg also weiter: Der Konzern wird sich auf Produktivität konzentrieren, viel in Cloud und Anwendungen investieren. Gleichzeitig bleibt das Motto "Mobile first". Ob es da nicht sinnvoll gewesen wäre, das Wissen von Nokia zu behalten, wird etwa bei "Wired" heftig diskutiert. Gemeinsam mit Elop verlassen Kiril Tatarinov (Chef der Abteilung Business Solutions), Eric Rudder (Technologie/Bildung) und Werbeexperte Mark Pann den Konzern. (fsc, 18.6.2015)

  • Microsofts Devices-Chef und Ex-Nokia-CEO Stephen Elop (links) verständigte sich mit Satya Nadella (rechts) auf einen Rückzug.
    foto: ap/lennihan

    Microsofts Devices-Chef und Ex-Nokia-CEO Stephen Elop (links) verständigte sich mit Satya Nadella (rechts) auf einen Rückzug.

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