Faymann in Hellas

Einserkastl17. Juni 2015, 17:47
67 Postings

Es ist in Ordnung, wenn sich Politiker gegenseitig besuchen

Die APA berichtet, der Besuch von Kanzler Faymann bei Tsipras in Athen werde "in EU-Ratskreisen" als bilaterales Treffen gewertet, also keine Mission im Auftrag der EU. Es sei zwar nicht klar, was der Kanzler in Athen mache, aber jedenfalls sei es in Ordnung, wenn sich Politiker gegenseitig besuchten.

Der Kanzler legte jedenfalls seine ökonomischen Überzeugungen dar. Die Sparpolitik allein sei falsch, er sei immer der tiefen Überzeugung gewesen, "dass man aus der Krise heraus investieren muss". Schon, aber mit welchem Geld? Griechenland steht vor dem Staatsbankrott und kriegt nur Geld für die nächsten paar Monate, wenn es auch einen zumindest vordergründig plausiblen Plan vorlegt. Notwendig wäre aber in Wahrheit eine Regierung der nationalen Einheit und gleichzeitig eine nationale Selbstbesinnung.

Griechenland ist ein Staat, in dem die Bevölkerung (großteils zu Recht) davon ausgeht, dass alle korrupt und unfähig sind und sich selbst danach verhält. Griechenland hat 70 Milliarden Euro Steueraußenstände. Varoufakis sagt, man könne die Mehrwertsteuer nicht erhöhen, sonst zahle sie überhaupt niemand mehr.

Werner Faymann scheint ein Faible für Politiker und Parteien zu haben, die nach dem Prinzip "other people's money" operieren. Aber vielleicht hat er als Sympathisant Tsipras unter vier Augen ja gesagt, dass es jetzt echt ernst wird. Dann hat sich die Reise schon gelohnt. (Hans Rauscher, 17.6.2015)

Share if you care.