Im Notfall übernehmen Pfeilgiftfrosch-Mütter die Aufgaben der Väter

22. Juni 2015, 07:00
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Die elterlichen Pflichten werden bei Allobates femoralis offenbar flexibel gehandhabt

Wien – Bei Pfeilgiftfröschen der Spezies Allobates femoralis übernehmen Väter eine wichtige Aufgabe bei der Brutpflege, indem sie die Kaulquappen auf verschiedene Tümpel im Regenwald verteilen. Fallen die Männchen aus, springen überraschenderweise die Mütter ganz selbstverständlich ein. Das zeigte eine Studie heimischer Forscher, über die sie im Fachblatt "Behavioral Ecology" berichteten.

Beobachtungen in freier Natur

Diese Pfeilgiftfrösch-Art legt ihre Eier an Land, wo sich der Nachwuchs über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen entwickelt. Erst dann ist es die Aufgabe der nur etwa zwei Zentimeter kleinen und zwei Gramm leichten Männchen, die Kaulquappen ins Wasser zu bringen. Sie teilen den Nachwuchs auf viele, teilweise hunderte Meter vom Brutplatz entfernte Tümpel auf und erhöhen damit dessen Überlebenschancen.

Immer wieder beobachteten die Forscher um Eva Ringler vom Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinische Universität Wien und der Universität Wien im Regenwald von Französisch Guyana allerdings, wie auch Frosch-Mütter ihre Kaulquappen huckepack durch den Wald trugen. "Es lag die Vermutung nahe, dass die Weibchen einspringen, weil die Männchen nicht tragen können, etwa weil sie gefressen wurden oder ihr Territorium aufgegeben haben", sagte Ringler.

Im Labor nachgestellt

Die Wissenschafter gingen diesem Phänomen dann in Wien in einer Labor-Untersuchung auf den Grund. Sie warteten, bis mehrere Pärchen jeweils zwei Gelege gegründet hatten. Dann dokumentierten sie, wer von beiden die sich nach etwa drei Wochen entwickelnden Kaulquappen trug. Immer übernahmen die Männchen die Aufgabe. Bevor es beim zweiten Gelege aber so weit war, fingen die Forscher die Männchen heraus: "Es zeigte sich, dass die Weibchen in allen Fällen flexibel und im selben Zeitfenster einsprangen", so Ringler.

Ein solches Einspringen sei bei sogenannten uniparentalen Arten – also solchen, wo in der Regel nur ein Elternteil für die Nachwuchspflege zuständig ist – bisher "überhaupt nicht bekannt". Sind beide zuständig, kann ein Ausfall eher kompensiert werden. Bei uniparentalen Arten hat der Ausfall des alleine zuständigen Elternteiles normalerweise jedoch "extrem negative Konsequenzen für den Nachwuchs", erklärte die Forscherin. "Wir haben nun gezeigt, dass es so ein Verhalten auch bei diesen Arten gibt."

Das lege den Schluss nahe, dass das Brutverhalten verschiedener Tierarten weit flexibler sein könnte, als bisher angenommen und die Unterscheidung zwischen uni- und biparentalen Arten vielleicht weniger starr ist. Gerade bei Pfeilgiftfröschen gebe es schon länger Hinweise auf flexiblere Verhaltensmuster. Manche Frosch-Arten könnten sich laut Ringler sogar an einem evolutionären Übergang zur verstärkt gemeinsamen Aufzucht ihres Nachwuchses befinden. (APA/red, 22.6. 2015)

  • Die Spezies Allobates femoralis steht schon länger im Fokus der Wiener Forscher um Eva Ringler.
    foto: gerhard rainer

    Die Spezies Allobates femoralis steht schon länger im Fokus der Wiener Forscher um Eva Ringler.

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