Putin demonstriert auf Rüstungsmesse russische Stärke

17. Juni 2015, 17:29
399 Postings

Der Ost-West-Konflikt spitzt sich zu. Wladimir Putin irritiert mit Äußerungen zu neuen Atomraketen. Der Kritik des Westens daran begegnet der Kreml mit eigenen Vorwürfen. Die EU verlängerte unterdessen am Mittwoch ihre Sanktionen gegen Russland

Moskau/Wien – Rumms – mit gewaltigem Krachen löst sich der Schuss beim T90-Panzer auf dem Truppenübungsplatz Kubinka bei Moskau. Auf der Messe "Armija-2015" demonstriert Russlands Rüstungssektor den internationalen Käufern und der heimischen Politik seine Stärke mit einer donnernden Waffenshow.

Was aus Geheimhaltungsgründen nicht gezeigt werden durfte, fand Eingang in die Eröffnungsrede von Präsident Wladimir Putin. Dessen Ankündigungen waren mindestens ebenso lautstark wie die röhrenden Panzer: Nicht nur mit konventionellen Waffen wie dem strategischen U-Boot-Kreuzer "Wladimir Monomach", den Kampfpanzern Armata oder den Selbstfahrlafetten Koalizija SW, "die ihresgleichen in der Welt suchen", will der Kremlchef die Modernisierung der Streitkräfte vorantreiben. Er teilte zugleich die Indienststellung von 40 neuen atomar bestückten Interkontinentalraketen noch im laufenden Jahr mit, "die in der Lage sind, alle noch so technisch vollkommene Raketenabwehrsysteme zu überwinden".

Der letzte Halbsatz spielt auf den von den USA geplanten Raketenschutzschirm in Osteuropa an, den der Kreml als Bedrohung der eigenen Sicherheit empfindet. Putin drohte deshalb, Russlands Angriffskräfte auf die "Territorien zu richten, von denen Gefahr ausgeht". Die Nato habe sich der russischen Grenze stark genähert, merkte er dabei an.

Konflikt wird schärfer

Putins forscher Auftritt war nicht zufällig. Zuvor waren Meldungen über die geplante Stationierung von US-Panzern und -Kampfflugzeugen in Osteuropa publik geworden. Die Show war eine klare Warnung an den Westen, mit dem Moskau im schärfsten Konflikt seit 25 Jahren steht.

Die Reaktion folgte umgehend: US-Außenminister John Kerry zeigte sich "beunruhigt" und warnte vor einem neuen atomaren Wettrüsten und einer Rückkehr in den Kalten Krieg. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg kritisierte Putins Rede als "gefährliches nukleares Säbelrasseln".

Moskau widerspricht den Vorwürfen: Die Ankündigung ziele nicht auf eine Aufstockung des Atomwaffenarsenals, sondern auf dessen Umrüstung, heißt es aus Militärkreisen. Die Raketen vom Typ Bulawa und Jars ersetzen demnach ältere Topol-Interkontinentalraketen. Russland habe nicht vor, sich auf ein Wettrüsten einzulassen, versicherte Präsidentenberater Juri Uschakow.

Laut Kremlsprecher Dmitri Peskow gibt es keinen Anlass zur Sorge. Die Atomwaffen dienten Sicherheitszwecken. Angesichts der Nato-Expansion sei Russland gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen, um das Gleichgewicht wiederherzustellen, sagte er und warf seinerseits dem Westen Konfrontationsdenken und Kalte-Kriegs-Rhetorik vor. Dabei kritisierte er auch dessen Sanktionspolitik.

Die im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise erlassenen Sanktionen der EU werden dennoch um mindestens ein halbes Jahr weitergeführt. Auf einen entsprechenden Kompromiss einigten sich am Mittwoch die Botschafter der 28 Mitgliedsstaaten in Brüssel. Innerhalb der neuen Frist will die EU prüfen, ob das Waffenstillstandsabkommen von Minsk umgesetzt wird. (André Ballin, 17.6.2015)

  • Beruhigung nach der Waffenmesse: Russlands Aufrüstung diene nur der  Modernisierung, hieß es.
    foto: imago/itar tass

    Beruhigung nach der Waffenmesse: Russlands Aufrüstung diene nur der Modernisierung, hieß es.

Share if you care.