Crowdfunding zwischen Hype und Hoffnung

17. Juni 2015, 17:32
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Trotz Geldflut der EZB mangelt es an Krediten. Alternative Wege zur Finanzierung von Investitionen nehmen an Bedeutung zu

Wien - Bei einer Diskussion um alternative Finanzierungsformen darf das Thema Crowdfunding natürlich nicht fehlen. Erst im Mai wurden im Rahmen des Alternativfinanzierungsgesetzes neue Regeln für diese Finanzierungsart festgelegt. Eine der wichtigsten Neuerungen ist wohl, dass erst ab einem Emissionsvolumen von fünf Millionen Euro ein Kapitalmarktprospekt erstellt werden muss. Bisher war das schon ab 250.000 Euro der Fall.

Bei einer Standpunkte-Diskussion des Standard mit der Intermarket Bank über Unternehmensfinanzierung am Dienstagabend gerieten hier zwei Fronten aneinander. Das Thema werde zurzeit hochgespielt, so Ralf Kronberger, Finanzexperte der Wirtschaftskammer. Das erwartete Volumen von 60 Mio. Euro mache nur einen Bruchteil der gesamten Unternehmensfinanzierung aus. Verleger Helmut Fellner (OE24) war noch kritischer: Start-ups dürften sich nicht auf Crowdfunding verlassen. Jede Unternehmensgründung sei mit Risiko behaftet, und dieses sollten die Banken tragen.

Ankerbrot-Chef Peter Ostendorf sieht in Crowdfunding hingegen eine wunderbare Alternative für Finanzierungen, die sich im kleineren Rahmen bewegen, da sich gerade bei dieser Methode sehr enge Beziehungen zu den Anlegern ergeben würden. Crowdfunding bietet somit gerade für junge und kleine Unternehmen eine Option, um an Geld zu kommen.

Diese Entwicklung könnte die Banken noch einiges kosten, sagte Ingo Bleier (Erste Group). Das Internet trage massiv dazu bei, den Wettbewerb zwischen Finanzierungsformen voranzutreiben. "Ich würde das auf gar keinen Fall unterschätzen", warnt Bleier.

Die Not wird zur Tugend

Kronberger verweist auf Zahlen, die zeigen, dass Unternehmen für die Finanzierung ihrer Investitionen immer seltener zu Bankkrediten greifen (siehe Grafik), Eigenkapital werde dafür immer wichtiger. Eine positive Tendenz, sagten die Diskutanten - allerdings aus den falschen Gründen. Es sei nämlich die Überregulierung im Bankenbereich, der Firmen den Zugang zu Krediten verwehre und damit den Griff zu mehr Eigenkapital notwendig mache. Dem stünde allerdings die steuerliche Benachteiligung von Eigenkapital gegenüber Fremdkapital - also Schulden - gegenüber, die durch die Steuerpolitik der vergangenen Jahre noch verschärft wurde, warnte WU-Professor Stefan Bogner.

Von Schwierigkeiten, Bankkredite zu erhalten, war auch am Rande der Diskussion zu hören. Ein Unternehmer klagte, dass Banken Sicherungen in Höhe von 150 Prozent der Kreditsumme verlangen. Er finanziere seine Investitionen in letzter Zeit deshalb aus dem Cashflow. Größere Vorhaben seien damit nicht realisierbar.

Eine weitere Finanzierungsform die an Bedeutung zunehmen dürfte, ist das Factoring, auf das sich die Intermarket Bank spezialisiert. Dabei verkaufen Unternehmen Forderungen an ein Institut weiter und erhalten von diesem noch am selben Tag Geld dafür. Die Liquidität der Unternehmen steigt dadurch und ermöglicht ihnen somit eine höhere Flexibilität. "Factoring ist die perfekte Ergänzung zur klassischen Betriebsmittelfinanzierung", so Monika Traub, Vorstand der Intermarket Bank. Gratis wird dieses Service allerdings nicht angeboten. Zwischen ein und vier Prozent der Bruttorechnungssumme müssen für das schnelle Geld auf den Tisch gelegt werden. (ama, 17.6.2015)

STANDPUNKTE ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit der Intermarket Bank. Die redaktionelle Verantwortung liegt beim STANDARD.

  • Nach einer Keynote von WU-Professor Stefan Bogner (r.) diskutierten (v. r. n. l.) Helmuth Fellner (OE24), Ingo Bleier (Erste), Peter Ostendorf (Ankerbrot), Monika Traub (Intermarket Bank) und Ralf Kronberger (Wirtschaftskammer), wie Unternehmen an Geld kommen können. Eric Frey (DERSTANDARD) moderierte.
    foto: apa/andy urban

    Nach einer Keynote von WU-Professor Stefan Bogner (r.) diskutierten (v. r. n. l.) Helmuth Fellner (OE24), Ingo Bleier (Erste), Peter Ostendorf (Ankerbrot), Monika Traub (Intermarket Bank) und Ralf Kronberger (Wirtschaftskammer), wie Unternehmen an Geld kommen können. Eric Frey (DERSTANDARD) moderierte.

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