Rechtsextreme Anschläge in Salzburg geklärt

17. Juni 2015, 17:26
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39-jähriger Obdachloser soll aus "Hass auf Politik" Gedenkstätten verwüstet haben

Salzburg – Die seit Monaten andauernde Serie von rechtsradikal motivierten Anschlägen in der Stadt Salzburg ist nach Angaben der Salzburger Polizei geklärt. Die Exekutive gab am Mittwoch bekannt, bereits am 10. Juni dieses Jahres einen 39-jährigen Obdachlosen verhaftet zu haben. Dieser soll für insgesamt 47 Straftaten – Beschmierungen von öffentlichen Gebäuden und Zerstörungen antifaschistischer Denkmäler – verantwortlich sein. Der Mann sei geständig. Über ihn wurde die Untersuchungshaft verhängt.

Die Liste der dem in Deutschland geborenen Obdachlosen zugeordneten Taten ist lang: Sie reicht von der Beschmierung der Parteizentralen von SPÖ, KPÖ und Grünen, von Stolpersteinen und diverser Denkmäler bis zu einer Attacke auf die Synagoge.

Der Mann soll auch für die Zerstörung des Euthanasiedenkmals im Mai 2014 in unmittelbarer Nähe des Sitzes der Salzburger Stadtregierung verantwortlich sein. Das Mahnmal musste daraufhin fast vollständig erneuert werden. Zuletzt hatte er laut Polizei wiederholt die Transparente der vom Magistrat gestarteten Aktion #88 gegen rechts! zerstört oder entfernt.

Der Mann, der 2010 von Deutschland nach Vorarlberg gezogen und 2012 nach Salzburg gekommen sei, habe als Motiv "Wut, Zorn und Hass gegen die Politik sowie karitative Einrichtungen" angegeben.

"Keine organisierte Szene"

Mit anderen rechtsradikal motivierten Anschlägen in Salzburg stehen die Taten des 39-Jährigen nicht in Zusammenhang, heißt es vonseiten der Polizei. Insgesamt seien seit Jahresbeginn insgesamt elf Festnahmen und 30 Hausdurchsuchungen in Zusammenhang mit rechtsextremen Taten erfolgt.

Die verschiedenen Täter hätten untereinander aber keine Verbindung gehabt, meint die Polizei. Es handle sich um "Einzeltäter beziehungsweise nicht zusammengeschlossene Kleingruppen", die zu keinem Zeitpunkt Kontakt zueinander hatten. Sie hätten nur aus "diffusen fremdenfeindlichen und rassistischen Einstellungen heraus gehandelt. Fazit der Polizei: "Es handelt sich in Salzburg um keine organisierte Szene." (Thomas Neuhold, 18.6.2015)

  • Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden bei der Wiederenthüllung des im Mai 2014 zerstörten Mahnmals für die Opfer der NS-Euthanasie.
    foto: stadt salzburg/killer

    Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden bei der Wiederenthüllung des im Mai 2014 zerstörten Mahnmals für die Opfer der NS-Euthanasie.

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