AMS erhält mehr Mittel für ältere Arbeitnehmer

17. Juni 2015, 16:13
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Debatte über Ausländer und Arbeitszeitverkürzung, Hundstorfer: Keine Öffnung des Arbeitsmarkts in absehbarer Zeit

Wien – Das Arbeitsmarktservice (AMS) bekommt mehr Mittel für die Wiedereingliederung älterer Arbeitsloser. Den Beschluss im Nationalrat trugen am Mittwoch alle sechs Parteien mit. Debattiert wurde über Asylwerber und Arbeitszeitverkürzung. Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) bekräftigte, dass derzeit nicht an den Arbeitsmarktzugang für Asylwerber gedacht ist.

Mit zusätzlichen AMS-Mitteln (250 statt 120 Mio. Euro für 2016 und 2017) soll über 50-Jährigen, die länger als sechs Monate auf Jobsuche sind, geholfen werden, wieder im Arbeitsmarkt unterzukommen - mit Eingliederungsbeihilfen, Kombilohn oder Beschäftigungsprojekten. Das hielten alle Abgeordneten für sinnvoll, wobei den Neos missfiel, dass zu stark auf Wiedereinstiegshilfen gesetzt werde. Sozialsprecher Gerald Loacker hielte mehr Mittel für die Qualifikation und Weiterbildung schon im Job für sinnvoll.

Asylwerber und Arbeitsmarkt

FPÖ-Abgeordnete Dagmar Belakowitsch-Jenewein setzte als Erstrednerin das - schon zuvor behandelte - Ausländer-Thema fort. Sie verwies auf steigende Arbeitslosigkeit unter Drittstaatsangehörigen - und zeigte sich überzeugt, dass nach der Wien-Wahl der Arbeitsmarkt für Asylwerber geöffnet wird. Dies hielte sie für "sehr bedenklich", würden damit doch "billige Arbeitskräfte von neuen, noch billigeren verdrängt".

Sozialminister Hundstorfer denkt aber nicht daran: "Es wird keine Öffnung des Arbeitsmarktes geben für Asylwerber in absehbarer Zeit." Die zunehmende Arbeitslosigkeit von Drittstaatsangehörigen bestätigte er. Aber er stellte klar, dass es sich um Menschen handle, die 1970/80/90 nach Österreich gekommen seien - und die werde man jetzt nicht zurückschicken. Heute komme "niemand Neuer nach aus Drittstaaten", nur mehr mit Rot-Weiß-Rot-Karte.

"Es wird nicht reichen, die Schranken runterzulassen, 'Ausländer raus' sichert nicht die Arbeitsplätze", merkte Bau-Gewerkschafter Josef Muchitsch (SPÖ) in Richtung FPÖ an. Vielmehr brauche es "rechtskonforme" Maßnahmen gegen Lohndumping und Sozialbetrug.

"Arbeit neu verteilen"

Die Grüne Arbeitnehmersprecherin Birgit Schatz hält zwar das Gesetz für sinnvoll, ist aber grundsätzlich unzufrieden mit den Maßnahmen der Regierung gegen die - krisenbedingt - hohe Arbeitslosigkeit. Sie plädierte unter anderem für die Arbeitszeitverkürzung. Auch Metaller-Chef Rainer Wimmer will "die Arbeit neu verteilen".

Langfristig werde man diese Diskussion führen müssen angesichts der "totalen Veränderung der Arbeitswelt", stimmte Hundstorfer zu. Vorerst aber will er sich auf die "Spitze des Eisbergs" konzentrieren - und einen Teil der 270 Millionen Überstunden abbauen, etwa mit dem von ihm schon vorgeschlagenen Überstunden-Euro samt Senkung der Arbeitnehmer-Beiträge zur Krankenversicherung.

Die ÖVP nahm die Mindestsicherung aufs Korn. Sozialsprecher August Wöginger und Abg. Angelika Winzig plädierten für bessere Kontrollen gegen Missbrauch und mehr Anreiz, wieder in den Arbeitsmarkt zurückzukehren. Hundstorfer hielt dem Zahlen entgegen, etwa dass von den 22.000 Beziehern 27 Prozent Kinder, 75 Prozent sozial schwache Aufstocker seien und die durchschnittliche Verweildauer bei nur 8,1 Monaten liege. (APA, 17.6.2015)

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