Ed Sobey, der Anwalt des kreativen Lernens

18. Juni 2015, 18:33
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Der Amerikaner Ed Sobey ist das lebende Denkmal der Science-Center-Szene

Trient – Ed Sobey ist so etwas wie ein lebendes Denkmal. Der 1948 in Philadelphia in den USA geborene, gelernte Physiker und Ozeanograph gilt als einer der beliebtesten Vortragenden und Workshopleiter in Sachen Wissensvermittlung – gebucht wird er in Trinidad und Tobago genauso wie in Schweden, Österreich oder Australien. Eine kurze Begegnung macht deutlich, warum das so ist: Mit Charme und der Energie eines um gut 40 Jahre jüngeren Mannes erzählt er, was man zu beachten hat, um das Publikum für Wissenschaft zu interessieren. Sein Credo dabei: Neugierde wecken und sie auch niemals bremsen.

Warum Schüler trotzdem immer wieder die Lust an Naturwissenschaften und Technik verlieren? Sobey zum STANDARD: "Lehrer sind gezwungen, einen bestimmten Stoff weiterzugeben und haben zu wenige Freiräume, was zum Frontalunterricht führt." So würde das Interesse gar nicht erst aufkommen. "Das ist ein weltweites Problem und sicher nicht nur in Österreich so", meint der US-Amerikaner.

Er identifiziert aber noch ein zweites Problem: "Wir wollen, dass unsere Kinder keine Fehler machen und vollkommen sind. Sie dürfen nicht irren. Aber gerade das ist die Voraussetzung, um neugierig zu werden und zu bleiben. Die größten Wissenschafter irrten sehr oft, ehe sie zu ihren Entdeckungen kamen." Kinder sollten vielmehr in ihrem spielerischen Zugang zu den Themen gefördert werden. "Wenn ich ein Kind frage, ob es ein Flugzeug bauen kann, wird es vielleicht enthusiastisch Ja sagen. Dann gebe ich ihm eben Bastelmaterial und sage: Mach! Erst beim Bauen lernt es, wie es wirklich geht." Dieser Zugang gehe verloren.

Der Gedanke "Der Mann hat leicht reden" kommt fast zwangläufig hoch. Dabei gilt es aber zu bedenken: Sobey, der sich "Anwalt für kreatives Lernen" nennt, kommt aus dem Mutterland der Science-Center: Das weltweit erste seiner Art war nämlich das Exploratoirum in San Francisco.

Der leidenschaftliche Physikdidaktiker Frank Oppenheimer, Bruder des wegen seines Beitrags zur Atombombe berühmteren Robert, hat es 1969 gegründet und bis zu seinem Tod 1985 geleitet. Auch Sobey war schon Direktor mehrerer ScienceCenter – unter anderem führte er das South Florida Science Museum von 1981 bis 1988, also zu einem Zeitpunkt, als die in den Science-Centern übliche Einbindung der Besucher in das Ausstellungskonzept hierzulande noch wie ein unheimlicher Ruf aus einer unbekannten Zukunft betrachtet wurde.

Der US-Amerikaner hat schließlich auch zahlreiche Bücher geschrieben und herausgegeben. Sie handeln vom Spaß mit der Wissenschaft (Wacky Water Fun with Science, 2000) oder davon, wie die Dinge des Alltags funktionieren (The Way Kitchen Work, 2010).

Derzeit arbeitet er auch wieder als Ozeanograf: Mit einer Reihe von Wissenschaftern hat er ein Citizen-Science-Projekt entwickelt, in dem Laien mithelfen, ein Riff zu retten. "Es ist schön zu sehen, mit welcher Begeisterung diese Teilnehmer dabei sind." (pi, 17.6.2015)

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