Donald Trump: Ein Kandidat wie ein Autounfall

17. Juni 2015, 13:55
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Der Baulöwe und Multimillionär will US-Präsident werden. Obwohl er kaum Chancen hat, wird er sehr präsent sein

Donald Trump schwebte über die Rolltreppe im Trump Tower in New York zu seinem Rednerpult, wo der 69-jährige Industriemagnat am Dienstag bekanntgab, für die Republikaner bei der US-Präsidentenwahl 2016 kandidieren zu wollen. Trump hatte schon seit 2010 mehrfach angekündigt, ein Antreten zu überlegen. Bisher war es allerdings bei Andeutungen geblieben.

Nicht so dieses Mal: Trump ließ in seiner Rede wissen, dass er "dieses Land wieder großartig machen" werde. Seine weiteren Aussagen betrafen die Einwanderung: Er wolle eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen. Zum "Islamischen Staat" sagte er: Es gebe niemanden, der härter gegen den IS vorgehen werde als Donald Trump. Und die Finanzen: Er braucht niemandes Geld. Das sei nett. Er sei richtig reich.

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Die besten Momente der Rede von Donald Trump im Trump Tower.

Prominenz im Wahlkampf

Nun werden die Chancen Trumps, tatsächlich Kandidat der Republikaner zu werden, als eher gering eingeschätzt. Dennoch wird er einer der sichtbarsten Kandidaten im Wahlkampf sein. Trump ist nicht nur ein erfolgreicher Geschäftsmann, sondern hält auch gern sein Gesicht in Kameras. In der Reality-TV-Show "The Apprentice" suchte er publikumswirksam einen Lehrling. Trump ist nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch Produzent der Show. 2012 landete er auf Platz 14 der "Forbes Celebrity List". Trump ist prominent – und das spielt im Wahlkampf eine Rolle.

Der Autounfall-Kandidat

Trumps Kandidatur sei schrecklich für die Politik, urteilte die "Washington Post". Und zwar, weil es unmöglich sei, Trump zu ignorieren. Seine Bekanntheit wird dafür sorgen, dass er bei der vom TV-Sender Fox ausgerichteten Debatte auf der Bühne steht. Nur die zehn in Umfragen stärksten republikanischen Kandidaten dürfen bei Fox auf Sendung gehen. Mehr Kandidaten würde die Diskussion nicht aushalten, hatte der Sender angesichts der Kandidatenfülle der Republikaner entschieden.

Trump würde sich bei dieser Diskussion wohl kaum an die Regel halten, realistische Politikvorschläge einzubringen und nicht zu lügen – all das garantiere, dass er Teil der medialen Erzählung dieser Debatte wird. Trump sei damit so etwas wie der Autounfall-Kandidat: Man weiß, man sollte nicht hinsehen, und tut es trotzdem. Allerdings entspricht nicht nur in den Augen der "Post" die mediale Präsenz Trumps bei weitem nicht seinem politischen Gewicht: Trump sei unterhaltsam, aber eben kein guter Politiker.

Niedrige Erwartungen und volle Kassen

Die Nachrichtenwebsite "Politico" nennt aber auch andere Faktoren, warum Trump den weiteren republikanischen Kandidaten Kopfzerbrechen bereiten könnte. Trump hat Geld – und zwar ziemlich viel davon. Wie viel genau, darüber wird heftig spekuliert. Sicher scheint, dass es sich um mehrere Milliarden Dollar handelt – machen sagen, vier, andere sagen, neun. Er kann es sich jedenfalls leisten, die mühseligen Termine zum Geldeintreiben, die andere Kandidaten absolvieren müssen, aus dem Terminkalender zu streichen. Das lässt ihm mehr Zeit, sich auf wichtigere Auftritte zu konzentrieren.

Außerdem: Die Erwartungen, die an Trump gestellt werden, sind so gering, dass es schwer wird, sie nicht zu übertreffen. Wähler hätten zudem, schreibt "Politico", eine Schwäche für etwas abseitige Kandidaten. Auch etwaige Angriffe seiner Parteikollegen wären schwierig. Sollte Trump sich von den Konservativen abwenden und eine eigene Partei gründen oder zumindest finanzieren, könnte das die Gewinnaussichten der Republikaner bis zur Chancenlosigkeit verringern. (mka, 17.6.2015)

  • Donald Trump will Präsident werden. Das gab er Dienstagabend im Trump Tower bekannt.
    foto: ap photo/charlie neibergall

    Donald Trump will Präsident werden. Das gab er Dienstagabend im Trump Tower bekannt.

  • Trump inmitten seiner potenziellen Lehrlinge. Die Reality-TV-Show "The Apprentice" lässt Kandidaten um eine mit 250.000 Dollar dotierte Stelle in einem von Trumps Unternehmen antreten.
    foto: reuters/lucy nicholson

    Trump inmitten seiner potenziellen Lehrlinge. Die Reality-TV-Show "The Apprentice" lässt Kandidaten um eine mit 250.000 Dollar dotierte Stelle in einem von Trumps Unternehmen antreten.

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