Experten: Lungenkrebs-Screening nur für starke Raucher

17. Juni 2015, 09:51
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In einem "Weißpapier" empfehlen Radiologen und Lungenfachärzte starken Rauchern – im Alter zwischen 55 und 80 Jahren – regelmäßige Früherkennungsprogramme

Wien – Jährlich sterben weltweit rund 1,4 Millionen Menschen an Lungenkrebs. Eine US-Studie hat vor einigen Jahren eine 20-prozentige Mortalitätsreduktion bei regelmäßigen CT-Untersuchungen als Früherkennung gezeigt. Die europäischen Radiologen und Lungenfachärzte haben nun neue Empfehlungen formuliert: Solche Screenings sollten nur für schwere Raucher ab einem bestimmten Alter etabliert werden.

"In der Europäischen Union ist Lungenkrebs die häufigste tödlich verlaufende Krebserkrankungen mit 266.000 Todesfällen jährlich. Das sind 20,8 Prozent der Krebsopfer", schreiben Hans-Ulrich Kauczor von der Universitätsklinik Heidelberg und Co-Autoren von der Europäischen Radiologengesellschaft (ESR) und der Europäischen Pneumologengesellschaft (ERS) in dem "Weißpapier".

Restriktive Empfehlungen

Lungenkarzinome gehören zu gefährlichsten Krebserkrankungen. 2013 starben daran in Österreich 2.537 Männer und 1.357 Frauen. Die Überlebenschancen sind deshalb so schlecht, weil 75 Prozent der Diagnosen zu spät für eine heilende Behandlung gestellt werden.

Eine US-Studie, die wegen des sich abzeichnenden stark positiven Trend vorzeitig abgebrochen und im Jahr 2011 publiziert wurde, zeigte, dass sich binnen sechs Jahren die Lungenkrebssterblichkeit von schweren Rauchern per jährlicher Lungen-CT-Untersuchung um 20 Prozent reduzieren lässt. Seither gibt es Diskussionen darüber, wie man solche Früherkennungsprogramme per niedrig dosierter Computertomografie am besten etablieren sollte.

Die beiden Fachgesellschaften geben eine restriktive Empfehlung ab: Solche Früherkennungsuntersuchungen sollten nur in hoch qualifizierten Zentren und im Rahmen von dafür geschaffenen Programmen mit Qualitätskontrolle ablaufen. Zusätzlich sollte es in diesen Einrichtungen Raucherentwöhnungstherapie geben. Einzeluntersuchungen sind nicht sinnvoll.

Zielgruppe

Alle Untersuchten sollen folgenden Kriterien entsprechen: Mindestens 30 Pack-Years an Zigarettenkonsum (beispielsweise eine Packung Zigaretten pro Tag 30 Jahre lang oder zwei Packungen pro Tag 15 Jahre lang). Das Alter der Untersuchten solle zwischen 55 und 80 Jahren liegen. Die Kriterien betreffen Raucher und ehemalige Raucher, die die genannte Zigaretten-Dosis innerhalb der vergangenen 15 Jahre konsumiert haben.

Gleichzeitig sollten die regelmäßigen Untersuchungen mit entsprechenden CT-Geräten durchgeführt werden (16 Detektoren, Schichtbilder von einem Millimeter Dicke, bestimmte Strahlendosis nach Körpergewicht).

Personen mit Mehrfacherkrankungen werden nicht in das Früherkennungsprogramm aufgenommen, so die Empfehlung. Schließlich muss die Entwicklung von auffälligen Befunden genau verfolgt werden, um unnötige falsch positive Befunde mit Biopsien zu vermeiden. Bei CT-Lungenuntersuchungen kommt es häufig zur Feststellung "verdächtiger" Veränderungen, die sich dann als harmlos herausstellen. (APA, 17.6.2015)

  • "In der Europäischen Union ist Lungenkrebs die häufigste tödlich verlaufende Krebserkrankungen mit 266.000 Todesfällen jährlich. Das sind 20,8 Prozent der Krebsopfer", schreiben die Experten im kürzlich veröffentlichten "Weißpapier".
    foto: apa/roland schlager

    "In der Europäischen Union ist Lungenkrebs die häufigste tödlich verlaufende Krebserkrankungen mit 266.000 Todesfällen jährlich. Das sind 20,8 Prozent der Krebsopfer", schreiben die Experten im kürzlich veröffentlichten "Weißpapier".

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